POLITIK
24/03/2016 15:31 CET | Aktualisiert 24/03/2016 15:45 CET

Tageszeitung behauptet: Leserin hat den Terror-Drahtzieher schon im Januar angezeigt

ASSOCIATED PRESS
Zeitung macht sich mit exklusivem Augenzeugenbericht über IS-Terrorist lächerlich

  • Eine Leserin der "Kronen Zeitung" will IS-Terrorist Abdeslam im Januar in einem Café gesehen haben

  • Trotz ihrer Anzeige reagierten die Behörden nicht

  • Die Geschichte wirkt jedoch höchst zweifelhaft

Die Anschläge von Brüssel haben die Debatten um die Sicherheit in Europa wieder angeheizt. Polizei und Sicherheitsdienste stehen in der Kritik: Wie kann es sein, dass sich polizeibekannte Terroristen so lange unentdeckt mitten in Europa aufhielten?

Medien versuchen sich mit Exklusivmeldungen zu den Hintergründen des IS-Terrors in Europa zu übertreffen. So auch die österreichische "Kronen Zeitung“.

Sie will eine Augenzeugin ausfindig gemacht haben, die die Polizei im Januar auf den Aufenthaltsort des Paris-Attentäter Salah Abdeslam aufmerksam gemacht haben soll. Erst zwei Monate später - in der vergangenen Woche - wurde Abdeslam in Brüssel festgenommen.

Zwei Araber in einem Café

Die "Kronen-Leserin“, wie das Boulevardblatt sie stolz betitelt, will Salah Abdeslam im Januar in einem Café im westungarischen Sopron in unmittelbarer Nähe der österreichischen Grenze beobachtet haben.

Hätten die Terroranschläge von Brüssel verhindert werden können, wenn die Polizei der Anzeige nachgegangen wäre?

Medienberichten zufolge plante der mutmaßliche Terrorist vor seiner Festnahme vergangene Woche Anschläge in der belgischen Hauptstadt. Er soll in Kontakt mit Flughafen-Attentäter Ibrahim El-Bakraoui gestanden haben.

Man darf es bezweifeln. Die Geschichte der "Kronen Zeitung“ wirkt nicht grade wasserfest. Die Leserin, die aus Angst um ihre Sicherheit anonym bleiben will, gibt an, die verdächtige Person habe "mit einem weiteren arabisch aussehenden Mann an einem Tisch ganz hinten (im Café) gesessen. Beide Männer haben am Laptop geschrieben und ständig mit ihren Smartphones telefoniert."

Es klingt wie ein Szenario aus einem Agentenfilm.

Wahrheitsgehalt lässt sich nicht überprüfen

Am nächsten Tag habe die Frau sofort die Polizei im österreichischen Eisenstadt informiert, schildert sie weiter. Ihre Anzeige soll an das Innenministerium weitergeleitet worden sein. Hier verliert sich die Spur: Was mit den Informationen passierte, ist nicht klar.

Abdeslam soll sich im September vergangenen Jahres mehrfach in Ungarn und Österreich aufgehalten haben. Ob die Schilderungen der österreichischen Leserin der Wahrheit entsprechen, lässt sich jedoch nicht nachprüfen. Dass sie grade jetzt mit ihrer Story an die Presse geht, wirkt jedoch recht verdächtig.

Für die Kronen-Zeitung ist der exklusive Nachricht dennoch ein Coup. Sie suggeriert: "Kronen“-Leser tun ihren Teil gegen den Terrorismus – auch wenn Behörden versagen.

Die vermeintliche Augenzeugin zumindest beharrt auf ihrer Geschichte: "Ich bin mir sicher, dass ich Abdeslam im Café Harrer gesehen habe. Der Terrorist war doch nicht die ganzen Monate seit den Pariser Anschlägen nur in Brüssel."

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