POLITIK
23/03/2016 18:04 CET | Aktualisiert 23/03/2016 18:46 CET

In den Niederlanden müssen Gefängnisse schließen - weil es zu wenig Verbrecher gibt

Jupiterimages via Getty Images
Hollands Gefängnisse werden geschlossen, weil das Land so sicher ist

Die Niederlande haben ein Problem. Eigentlich ist es nicht wirklich ein Problem, denn die meisten anderen Länder können von dieser Entwicklung nur träumen.

Es gibt in den Niederlanden nicht genug Straftäter, um die Gefängnisse zu füllen.

Und laut den Zahlen des holländischen Justizministeriums wird sich das in nächster Zeit auch nicht ändern: Es leben 17 Millionen Menschen in den Niederlanden und nur 11.600 davon sitzen im Gefängnis. In Deutschland sind etwa 63.000 Menschen in Haft - das ist natürlich im Verhältnis nur wenig mehr.

Aber: Anders als Deutschland haben es die Niederlande geschafft, ihre Verbrechensrate in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu senken. Und sie wird nach aktuellem Stand auch in Zukunft jährlich um 0,9 Prozent zurückgehen.

Mit anderen Worten: Es ist einfach zu sicher in dem Land. Beneidenswert. Wie die Politik das geschafft hat? Sie geht einfach anders mit Verbrechen um. Der Fokus liegt darauf, die Täter wieder in die Gesellschaft zu integrieren, statt sie auszugrenzen und zu bestrafen.

Mit Fußfesseln zur Arbeit

Zum Beispiel bleiben viele verurteilte Straftäter nicht in Haft, sondern bekommen eine Fußfessel und gehen wieder zur Arbeit. Laut einer Studie führt das dazu, dass sie viel seltener wieder straffällig werden als Häftlinge, die ihre Zeit im Gefängnis absitzen.

Die Niederlande haben bereits eine Maßnahme gefunden, damit die Zellen nicht leer stehen: Seit 2015 sitzen Gefangene aus Belgien und Norwegen ihre Haftstrafe in holländischen Gefängnissen ab. Die beiden Länder haben einfach Zellen "gemietet" und ihre Häftlinge überstellt.

Alleine aus Belgien befinden sich zurzeit 300 Sträflinge in holländischen Gefängnissen, aus Norwegen sind es rund 240 - wie die britische Zeitung "The Telegraph" berichtet.

Norwegen soll laut Informationen der Süddeutschen Zeitung 25 Millionen Euro für die Zellenmiete bezahlt haben.

Karl Hillesland, Direktor eines holländischen Gefängnisses, erzählte dem Fernsehsender RTV Drenthe, dass es sogar eine Warteliste in Norwegen gäbe.

Mehr Wärter als Gefangene

Doch mit Häftlingen aus den anderen Ländern kann man nicht alle holländischen Gefängnisse auffüllen: Ein Fünftel der 13 500 Zellen sind unbesetzt, deshalb werden fünf Gefängnisse in diesem oder in den nächsten Jahren schließen.

An sich ist das eine gute Nachricht, doch nicht für all jene, die im Gefängnis angestellt sind: Rund 1900 Wärter und andere Angestellte könnten ihren Job verlieren. Das fürchtet die holländische Gewerkschaft der Gefängnisarbeiter (FNV).

Schon 2014 gab es in Holland mehr Angestellte als Insassen, wie die "Welt" berichtete.

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