POLITIK
24/03/2016 03:29 CET | Aktualisiert 24/03/2016 06:38 CET

400 Kämpfer gegen Europa: Geheimdienste berichten, wie der IS uns das Leben zur Hölle machen will

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Der Flughafen Brüssel nach den Anschlägen

  • Der IS soll 400 Kämpfer für Terrorangriffe auf Europa ausgebildet haben

  • Zellen sollen sich über Europa verteilt haben

  • Terroristen entscheiden selbst über Zeitpunkt und Ziel der Anschläge

Hoffnungen, dass der IS mit den Anschlägen in Paris und Brüssel alle eingereisten Selbstmordattentäter verbraucht habe, sind offenbar verfrüht. Denn die Terrormiliz hat nach Informationen aus Sicherheitskreisen mindestens 400 Kämpfer für mögliche Anschläge in Europa ausgebildet.

Entsandte verzahnte Terrorzellen wie diejenigen, die hinter den Attacken in Brüssel und Paris steckten, hätten die Order, selbst über Zeitpunkt, Ort und Methode ihres Angriffs zu entscheiden, erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch von europäischen und irakischen Geheimdienstlern sowie von einer französischen Abgeordneten.

Verbundene, agile halbautonome Zellen

Dieses Netzwerk miteinander verbundener, agiler und halbautonomer Zellen unterstreiche den Einfluss der Terrormiliz in Europa, obwohl sie derzeit im Irak und Syrien in die Enge getrieben werde, hieß es. Es gebe spezielle Ausbildungslager für Attacken gegen den Westen. Diese befänden sich in Syrien und im Irak, aber möglicherweise auch in früheren Sowjetstaaten.

Vor seinem Tod während einer Polizeirazzia hatte der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Terrorserie vom 13. November 2015 gesagt, er sei mit einer multinationalen und aus 90 Kämpfern bestehenden Gruppe nach Europa eingereist. Die Extremisten hätten sich "mehr oder weniger überall" verstreut, sagte er.

Der größte Erfolg der Ermittler nach den Pariser Terroranschlägen - die Festnahme des flüchtigen Verdächtigen Salah Abdeslam in der vergangenen Woche - verhinderte nicht die Attacken auf den Brüsseler Flughafen und die Metro-Station Maelbeek, die nur wenige Tage später verübt wurden.

Flüchtiger Terrorist könnte neue Terrorzelle aufbauen

Wie nach Paris ist auch nach Brüssel mindestens ein Terrorverdächtiger auf der Flucht. Die Behörden fürchten nun, dass er wie Abdeslam ein neues Netzwerk aufbauen und neue Pläne schmieden könnte.

"Er ist nicht nur außer Sichtweite geraten, sondern hat so auch einen anderen Angriff organisiert, mit Komplizen überall. Mit Sprengstoffgürteln", sagte die auf Extremistennetzwerke spezialisierte französische Senatorin Nathalie Goulet. Die Angriffe seien nach der Festnahme eine Antwort gewesen, dass Verhaftungen nichts im Kampf gegen die Terroristen änderten, sagte sie.

Goulet und die Geheimdienstler schätzen die Zahl der für Angriffe im Ausland ausgebildeten IS-Kämpfer auf 400 bis 600. Rund 5000 Europäer sind nach Behördenschätzungen nach Syrien gegangen.

Europol bestätigte die Existenz von Terrorzellen

Als der IS die Verantwortung für den Brüsseler Terror übernahm, beschrieb die Miliz eine "geheime Zelle von Soldaten", die für Angriffe nach Brüssel geschickt worden sei. Europol bestätigte bereits in einem Bericht Ende Januar, dass es solche Terrorzellen gebe.

Französischsprachige Extremisten mit Verbindungen nach Nordafrika, Frankreich und Belgien dienen offenbar als Anführer der Zellen, wie ein europäischer Sicherheitsbeamter sagte. Diese Personen seien auch für die Entwicklung von Angriffsplänen verantwortlich.

Zur Ausbildung der Kämpfer zählten Schlachtfeldstrategien sowie der Einsatz von Sprengstoff und Überwachungstechniken, sagte der Beamte. Im Gegensatz zu Ausbildungsformen im Jahr 2014 sei das Training nun länger.

Das Ziel sei nicht bloß, so viele Menschen wie möglich umzubringen, sondern eher, so viele Angriffe wie möglich zu verüben, um den Feind zu immer weiteren Ausgaben im Anti-Terror-Kampf zu zwingen. Ähnliche Methoden habe bereits das Terrornetzwerk Al-Kaida angewendet, sagte der Beamte weiter. Der IS habe diese aber auf eine ganz neue Stufe gestellt.

Ein hochrangiger irakischer Geheimdienstmitarbeiter sagte, Mitglieder der hinter dem Pariser Terror steckenden Zelle hätten sich in Deutschland, Großbritannien, Italien, Dänemark und Schweden zerstreut. Kürzlich sei eine neue Gruppe aus der Türkei eingereist.

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