POLITIK
23/03/2016 05:44 CET | Aktualisiert 21/05/2016 16:00 CEST

IS-Mann wünschte "Frohe Ostern": Terror-Experte berichtet bei "Hart aber fair" von einer zynischen Ankündigung

ARD Mediathek
Terror-Experte Schirra bei "Hart aber fair"

Europa ist seit Monaten im Alarmzustand. Jede Woche finden Razzien statt, täglich geht die Polizei Terror-Hinweisen nach. Und trotzdem gelingt es IS-Terroristen wieder, im Herzen des Kontinents zuzuschlagen.

Wird Terror jetzt zur Normalität? Gehören Maschinenpistolen und kugelsichere Westen bald zum alltäglichen Straßenbild wie in Israel? Müssen wir Freiheiten wie das Reisen ohne Grenzen aufgeben und ständige Überwachung akzeptieren? Das waren die Fragen, die sich die Gäste in diesem "Hart aber fair"-Spezial zu den Terroranschlägen in Brüssel stellten.

Bruno Schirra, Journalist und Terror-Experte: "Europa wird lernen müssen, damit weiterzuleben"

Der Journalist berichtet von einer zynischen Ankündigung. Er hatte erst vor vier Tagen mit einem IS-Mann geskypt. Der schwäbische Kurde wünschte ihm gleich zu Beginn des Gesprächs "Frohe Ostern" – jetzt fragte sich Schirra, ob dies eine Ankündigung des Attentats war.

IS-Anhänger seien "kluge, smarte eloquente Menschen, die eine Strategie verfolgen". Man treffe sie in Pforzheim, Saarbrücken und Duisburg-Marxloh. Daher kündigte er in Bezug auf den Terror an: "Europa wird lernen müssen, damit weiterzuleben."

Der Terror-Experte entkräftete all Hoffnungen, der Westen könne durch ein politisches Umdenken die Terroristen besänftigen: Die hätten "jede Humanitas verloren". Sie würden alle töten wollen, die sich nicht ihrem religiösen Faschismus unterwürfen.

Man habe es mit Menschen zu tun, die ein "nihilistisches Töten" betreiben, dass sie als religiöse Mission verpacke. Er plädiert für einen realistischen Blick auf die Gefahr: Der IS greife den Westen an, weil der Westen ist, wie er ist.

Rolf-Dieter Krause, Leiter des ARD-Studios Brüssel: "Ich gehe selbst nicht gern nach Molenbeek"

Der ARD-Korrespondent in Brüssel war die ganze Sendung über als Gast zugeschaltete. Er berichtet, dass er selbst nicht gern in das Islamisten-Viertel Molenbeek gehe. Dort würden ARD-Teams oft bedroht. "Die Straßenkriminalität geht dort fast ausschließlich auf das Konto der Nordafrikaner", sagte er.

Gegenüber der jetzt oft beschworenen europäischen Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Terror zeigte er sich skeptisch: "Ich weiß gar nicht, wie oft ich europäische Politiker schon darüber habe reden hören, dass man bei der Terrorbekämpfung enger zusammenarbeiten muss."

Als Plasberg in auf die Kritik des nordrhein-westfälischen Innenministers an der belgischen Polizei ansprach, ging ihm der Hut hoch: "Ich würde vorsichtig sein, nach der Silvesternacht in Köln jetzt dicke Backen zu machen!"

Terry Reintke, Mitglied des Europäischen Parlaments: "Ich besuche Moolenbeek am Wochenende ganz gerne"

Die Schilderungen der Grünen-Abgeordneten zu Molenbeek klagen ganz anders als jene des ARD-Korrespondenten: Am Wochenende würde sie den ganz gerne besuchen. Glaubwürdig klang das nicht. Sie wolle den Stadtteil durch Sozialarbeiter befrieden. Terror-Experte Schirra glaubt an einen Erfolg durch solcher Maßnahmen. "Pessimistisch!“, nannte Reintke das. "Nein, realistisch!", verbesserte Schirra sie.

Sie warnte vor Einschränkungen des Rechtsstaats nach den Terroranschlägen: Freiheit bedeute, "dass es keine unbegrenzten Durchgriffsrechte der Polizei geben darf". "Datensammelwut" dürfe es nicht geben.

Armin Laschet, CDU-Politiker: "Zwischen Freiheit und Sicherheit abwägen"

Der CDU-Politiker versuchte, abzuwägen. Mal sprach er von der Notwendigkeit eines repressiven Staats in solchen Situationen, dann wieder von der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit. Als es um die Ursachen des islamistischen Terrors geht, nannte er die Kolonialgeschichte.

Zu einem umstrittenen Zitat der AfD-Politikerin Beatrix von Storch wollte er sich nicht äußern. "Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen überall. Offenbar viele Tote am Flughafen und am Zentralbahnhof. Hat aber alles nix mit nix zu tun", hatte getwittert.

Laschet hatte sich dazu schon in den "Tagesthemen" geäußert und wollte "diese wirklich zynischen Dinge nicht mehr kommentieren".

Rudolf Dreßler, ehemaliger deutscher Botschafter in Israel: "Wir dürfen uns das normale Leben nicht wegbomben lassen"

Dreßler weiß, wie es ist, wenn Terror zur Normalität wird. Er wies auf die deutsche Gleichgültigkeit gegenüber Attentaten in Israel hin: "Terrorismus aus vier Flugstunden Entfernung zu kommentieren ist etwas ganz anderes, als Terrorismus zu erleben", sagt Dreßler. Er forderte: "Wir dürfen uns das normale Leben nicht wegbomben lassen."

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