POLITIK

"Lasst uns Angela Merkel feiern" - CDU-Politikerin macht Merkel offenbar auf Facebook für den Terror in Brüssel verantwortlich

22/03/2016 11:07 CET | Aktualisiert 23/03/2016 14:54 CET

Das ist heftig: Die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld hat auf einer Facebook-Seite Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbar indirekt für die Anschläge von Brüssel verantwortlich gemacht. Lengsfeld saß von 1990 bis 2005 als Abgeordnete im Bundestag, zunächst bis 1996 für die Grünen, ab 1996 für die CDU.

In einem mit ihrem Namen und ihrem Foto betitelten Facebook-Account heißt es in einem heute Vormittag veröffentlichten Post: "Gelobt sei Angela Merkel, die Warmherzige, die Vorausschauende. Sie hat alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann und seine Söhne hier die eigene Zukunft von einen gestörten Welt verwirklichen können."

Und weiter: "Lasst uns Angela Merkel feiern, sie hat es geschafft!"

Der Link wurde mittlerweile gelöscht. Hier der Screenshot:

merkel

Lengsfeld ist eine deutsche Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Ihr Sohn Philipp Lengsfeld ist seit 2013 Bundestagsabgeordneter (CDU).

Ob der Facebook-Beitrag tatsächlich von Vera Lengsfeld stammt, konnte zunächst nicht geklärt werden. Vera Lengsfeld war zunächst für eine Stellungnahme der Huffington Post nicht zu erreichen. Die Seite wirkt aber authentisch. So hat sie gut 8000 Abonnenten. Auch die hohen Like-Zahlen und die vielen Kommentare für die zahlreichen politischen Beiträge der Lengsfeld-Seite sind Indizien für die Echtheit des Facebook-Accounts. Das Büro von Philipp Lengsfeld konnte ebenfalls keinen Kontakt zu Vera Lengsfeld herstellen.

Vera Lengsfeld, die wie es aus dem CDU-Umfeld heißt, noch immer CDU-Mitglied sein soll, äußert sich seit Monaten immer wieder positiv über Pegida - und kritisch zur Flüchtlingspolitik von Merkel.

Auch der Berliner "Tagesspiegel" hat mittlerweile über die mutmaßliche Facebook-Äußerung Lengsfelds berichtet. Die Zeitung geht davon aus, dass es sich um den echten Account der CDU-Frau handelt.

Die in weiten Teilen ausländerfeindliche Pegida-Bewegung begrüßte die angebliche Wortmeldung von Lengsfeld mittlerweile. Sie teilte den Facebook-Post der ehemaligen Bundestagsabgeordneten mit dem Kommentar: "Vera Lengsfeld bringt es auf den Punkt!"

Entsetzt zeigt sich derweil die CDU-Bundesgeschäftsstelle: "Diese Äußerung ist pietätlos und völlig daneben", hieß es auf Tagesspiegel-Anfrage.

Update, 16 Uhr:

Zwischenzeitlich hat Lengsfeld den Facebook-Post gelöscht. Die Erklärung der Ex-Abgeordneten ist ominös. Dem „Tagesspiegel“ sagte die einstige Parlamentariarin, sie habe lediglich einen Artikel der österreichischen "Kronen-Zeitung" zum Terror in Brüssel teilen wollen, "aus Versehen" aber auch die Kommentierung einer anderen Facebook-Nutzerin mit verbreitet.

Der „Tagesspiegel“ weist zutreffend darauf hin: „Wenn diese Darstellung so stimmen sollte, müsste sie deren Text mit Copy and Paste übernommen haben. Sonst nämlich wäre der Urheber angezeigt worden.“

Weiter sagte Lengsfeld dem „Tagesspiegel“, die Ereignisse in Brüssel habe sie "in keiner Weise" bewerten wollen. Sie mache sich den von ihr zunächst verbreiteten Kommentar mit den Vorwürfen gegen Merkel auch nicht zu eigen.

Aufmerksam auf das Versehen wurde die CDU-Frau dem „Tagesspiegel“ zufolge durch Presseanfragen: "Natürlich habe ich das gelöscht. Hätten Sie das nicht gemacht?"

Wer die wohl ehrabschneidenden Sätze über Merkel geschrieben haben soll, sagte Lengsfeld nicht. "Ich habe 5000 Facebook-Freunde. Ich kenne nicht jeden von ihnen. Ich erinnere mich, dass es eine Frau war", zitiert sie der „Tagsesspiegel“.

Nicht zum ersten Mal erklären Politiker peinliche Kommentare in sozialen Medien mit einem angeblichen Versehen. Zuletzt hatte die AfD-Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch, die den Einsatz von Gewalt gegen Frauen an der Grenze verteidigt haben soll, behauptet, sie sei lediglich auf der Computer-Maus ausgerutscht.

Update, 16.45 Uhr:

Mittlerweile hat sich Lengsfeld telefonisch gegenüber der Huffington Post geäußert. Die Ex-Abgeordnete geht von einer „Rufmord-Kampagne“ gegen sich aus. Sie werde „seit Wochen von der Antifa bedroht“.

Der strittige Post stamme von „einem ihrer 5000 Facebook-Freunde“. Sie habe nachdem sie von dem Post gelesen habe, versucht herauszufinden, welcher ihrer Facebook-Freunde diesen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite platziert habe. „Doch fünf Minuten nachdem ich diesen Aufruf platziert habe, wurde meine Facebook-Seite komplett abgeschaltet“, sagt Lengsfeld.

Auf ihrer Webseite schreibt sie, eine Erklärung dafür habe sie „bis jetzt nicht bekommen“. Fakt ist, dass ihre Facebook-Seiten am Nachmittag nicht mehr erreichbar war.

Zunächst war die Huffington Post nicht in der Lage gewesen, Lengsfeld zu erreichen. Sowohl auf ihrer Web- als auch auf ihrer Facebook-Seite waren weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse hinterlegt. Auch die beiden Bundestagsbüros ihres Sohns waren nicht in der Lage fewesen, einen Kontakt zu Lengsfeld herzustellen, um so eine Stellungnahme zu ermöglichen. Erst am Nachmittag gelang es der Huffington Post, sie doch noch telefonisch zu erreichen.

Update, 18.30 Uhr:

Auch der Sohn von Vera Lengsfeld, der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld, hat sich mittlerweile zu dem umstrittenen Facebook-Beitrag geäußert:

Bereits zuvor hatte er sich klar vom Inhalt des Posts distanziert:

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