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22/03/2016 23:17 CET

Belgiens Schwäche: Das schreiben die Zeitungen über die Brüsseler Anschläge

AP
Passanten gedenken am Pariser Place de la Bourse den Opfern der Brüsseler Terroranschläge.

  • Mehr als 30 Menschen starben bei den Brüsseler Bombenanschlägen

  • Zeitungskommentatoren sehen darin Zeichen für die Probleme in Belgien und Europa

  • Die Einwohner Brüssels würden nach dem ersten Schock unangenehme Fragen nach der Verantwortung stellen, heißt es

Die Bombenexplosionen in Brüssel haben nicht nur Belgien, sondern ganz Europa und die Welt schockiert. Es stellen sich Fragen nach der Sicherheit in der EU-Haupstadt - dazu kommen Befürchtungen vor einer neuen Welle islamistischen Terrors, nachdem sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu dem Anschlag bekannt hatte.

Das schreiben Zeitungskommentatoren zu den Taten von Brüssel:

Brüssel ist nicht nur Hauptstadt von Belgien, sondern auch der Europäischen Union. Auf diese Tatsache und die zentrale Bedeutung der Stadt für die Bürger Europas hätten die Terroristen gesetzt, schreibt der italienische "Corriere Della Sera": "Das haben sie verstanden und es mit grausamer Klarheit kommuniziert. Mit Blut."

Terroristen nutzten die Schwächen Belgiens aus

Die spanische "El País" sieht die Anschläge gar als kriegerischen Akt, der von islamistischer Seite verübt wurde: "Der IS schickt sich an, den Krieg zu gewinnen." Dabei erhalte sich eine Spirale aus Hass, wenn nach Anschlägen Islamophobie gegen unschuldige Muslime hochkoche. Eine derartige Feindlichkeit sei "die große Waffe" der Terrormiliz.

Dass die Explosionen ausgerechnet in Brüssel geschahen, ist wohl kein Zufall - nicht nur wegen des EU-Hauptsitzes, sondern auch, weil es sich um die Hauptstadt eines gespaltenen Landes handelt. Die Täter hätten davon profitiert, dass Belgien ein historisch geteilter Staat sei, heißt es in einem Kommentar des britischen "Guardian". Die Terroristen hätten unter Beweis gestellt, "wie sie das auszunutzen wissen".

Probleme, die es auch in Deutschland gibt

Es habe sich gezeigt, "dass Belgien nicht nur ein Islamisten-Problem hat, sondern auch ein Ermittlungs- und Integrations-Problem", heißt es in der "Thüringischen Landeszeitung". Über nicht integrierte Muslime hätte Belgien lange Zeit hinweggesehen. Ähnliche Probleme gebe es jedoch auch in anderen Ländern - darunter Deutschland.

Auch die "New York Times" sieht die Taten als Zeichen für die schwache Sicherheitsarchitektur Belgiens - und gleichsam für die Verwundbarkeit Europas durch den Terrorismus. Sie seien der "Beweis, dass Europas offene Gesellschaften, selbst zu Notstandszeiten, niemals risikofrei sein würden".

"Kalifat der Menschenrechte"

Was werden die Folgen der Explosionen sein? "Es ist die Stunde des Aufschreckens", kommentiert die französische "Libération" - und stellt die Frage, ob Europa nun vor dem Auseinanderbrechen stehe. Angegriffen hätten sie "das Kalifat der Menschenrechte: das politische Europa".

Wenn der Schock der Anschläge verdaut ist, würden Fragen nach der Verantwortlichkeit erwachsen, ahnt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Was bleiben werde, sei Wut "nicht nur auf die Attentäter, sondern auch auf die, die diesen Massenmord nicht verhinderten". Die Einwohner Brüssels würden sich "an jene wenden, die Verantwortung tragen, die Beschlüsse zu engerer europäischer Zusammenarbeit zwar schmieden, aber nicht umsetzen" und sich in Wahrheit hauptsächlich um nationale Belange kümmerten.

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