POLITIK
22/03/2016 05:15 CET | Aktualisiert 22/03/2016 05:16 CET

Jeder Dritte glaubt an Verschwörungstheorien

courosa/Flickr
Jeder Dritte glaubt an Verschwörungstheorien

  • Experte sagt, dass Verschwörungstheorien durch das Internet stärker verbreitet würden

  • Der Grund sei ein Verlust des Vertrauens in das politische System

Die Bundesrepublik ist kein Staat, sondern eine GmbH. Die Medien bekommen von der Regierung vorgeschrieben, was sie schreiben sollen. Eine muslimische Geheimorganisation will Europa islamisieren. Dem Trinkwasser werden Chemikalien zugesetzt, die uns gefügig machen sollen. Solche Verschwörungstheorien finden auch in der Mitte der Gesellschaft zunehmend Anklang.

In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der Verschwörungstheorie-Experte Michael Butter: "Verschwörungstheorien und ihre Anhänger sind mittlerweile sichtbarer geworden - auch durch das Internet.

Leute, die einfach nur einen diffusen Verdacht haben, können durch das Internet ganz schnell Erklärungen finden, die sie zu richtigen Verschwörungstheoretikern machen."

"Vertrauen in das politische System geht verloren"

Butter, Amerikanistik-Professor an der Uni Tübingen, beschäftigt sich seit Jahren mit Verschwörungstheorien. Er warnt vor möglichen Folgen.

Dazu passend:Die 8 größten Verschwörungstheorien der Weltgeschichte

Zum einen riefen manche Verschwörungstheorien die Menschen zu Gewalt auf, darüber hinaus seien sie vor allem dann problematisch, wenn sie sich gegen sozial Schwache richteten.

"Das Hauptproblem besteht aber darin, dass Anhänger das Vertrauen in das politische System verlieren", sagte der Experte.

Dieser Vertrauensverlust sei nach Auskunft des Experten unwiderruflich: "Nach all dem, was wir bisher wissen, ist es so, dass Verschwörungstheoretiker eigentlich unmöglich vom Gegenteil zu überzeugen sind", so Butter.

Jeder Dritte glaubt an mindestens eine Verschwörungstheorie

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise wird unter dem Stichwort "Lügenpresse" vielfach der Vorwurf geäußert, die Medien würden der Öffentlichkeit gezielt Informationen vorenthalten.

Dennoch beobachtet der Experte derzeit keinen Anstieg an Verschwörungstheorien. "Ich glaube nicht, dass Verschwörungstheorien in letzter Zeit sehr zugenommen haben. Historisch betrachtet gab es vor hundert Jahren deutlich mehr", sagte Butter.

Dennoch könne man nicht davon sprechen, dass Verschwörungstheorien keine Anziehungskraft auf die Menschen ausüben würden.

"Umfragen zeigen, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung in Europa und den USA - rund ein Drittel - an mindestens eine Verschwörungstheorie glaubt", betonte Butter.

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