NACHRICHTEN
21/03/2016 11:25 CET | Aktualisiert 21/03/2016 12:04 CET

Flüchtlingskrise: Mit diesem Produkt sorgt ein bayerisches Unternehmen für einen Riesenskandal

Facebook

Dass Unternehmen Profit aus der Flüchtlingskrise schlagen, ist ärgerlich und verwerflich, aber nichts Neues. Ein bayerisches Unternehmen aber hat jetzt mit einem neuen Produkt das Meiste an bisher da gewesener Geschmacklosigkeit getoppt.

Seit vergangener Woche verkauft die Brauerei Röhrl in einigen bayerischen Getränkemärkten die "Grenzzaun Halbe". Eine Flasche des Straubinger Bieres kostet 88 Cent, beworben wird sie mit dem Spruch "Heimat braucht Bier".

Das Etikett ist in altdeutscher Frakturschrift gehalten, wodurch das Doppel-Z in "Grenzzaun" einer SS-Rune ähnelt. In Kombination mit dem Totenkopf-Logo der Brauerei alles andere als glücklich.

In rechtsradikalen Kreisen ist die Zahl "88" als getarnter Hitlergruß verbreitet. Bisher war die Brauerei nicht für ihre Nähe zur rechten Szene bekannt - der plötzliche Ausfall in die Neonazi-Richtung ist deswegen umso irritierender.

"Von allen Seiten erhielt ich großen Zuspruch"

Auf der Webseite des Unternehmens erklärte Geschäftsführer Frank Sillner freiheraus, die "außergewöhnliche Idee" sei bei einer "Feierabendhalbe im Wirtshaus" entstanden.

"Von allen Seiten erhielt ich großen Zuspruch", sagte Sillner in dem Interview auf der Seite. Dann habe alles sehr schnell gehen müssen. "Neue Kisten und Flaschen besorgen, Etikett und Kronkorken gestalten."

Die "Grenzzaun Halbe" habe mal etwas "Anderes", "Besonderes" sein sollen, beschreibt Sillner. So begeistert er selbst von seinem Bier mit dem Etikett in altdeutscher Frakturschrift ist, so groß ist auch die Empörung wegen der Aktion im Netz.

Ausgelöst haben den Shitstorm gegen die Brauerei die "Erdlinge“, eine Moosburger Aktivisten-Gruppe, die gegen fremdenfeindliche Umtriebe kämpft. Sie posteten ein Bild des "vielleicht ekelhaftesten Bieres aller Zeiten" auf ihrem Facebook-Account.

Das vielleicht ekelhafteste #Bier aller Zeiten.Man muss es erst gar nicht probieren!update: In Freising, Regensburg...

Posted by Erdlinge on Mittwoch, 16. März 2016


Seither sieht sich Röhrl massiver Kritik ausgesetzt. "Eine Kampagne wie die mit diesem nur unzulänglich verbrämten Nazi-Bölkstoff haben die anderen bayerischen Brauer zum Glück nicht nötig. Und Röhrl hätte sich den braunen Blödsinn besser auch gespart", schrieb eine Facebook-Nutzerin.

Ein anderer User machte darauf aufmerksam, dass die 88 Cent nicht das einzige Rechtsradikale an dem Bier seien. Als Ablaufdatum sei auf den Flaschen zudem der 9. November angegeben, der Jahrestag der Reichsprogromnacht.

"Wir sind nicht braun. Wir sind Menschen, die helfen"

Inzwischen hat die Brauerei zurückgerudert. Dem "Münchner Merkur" sagte Sillner, er fühle sich von dem Eklat "komplett niedergebügelt". "Wir haben gewusst, wir müssen ein Stück weit provozieren“, gesteht er aber. Der Name sei als "politisches Statement für Bayern“ gedacht gewesen.

Fremdenfeindliche Hintergedanken bestreitet der Geschäftsführer aber. "Wir sind nicht braun. Wir sind Menschen, die helfen. Wir wollten Bayern beschützen", sagte er der Zeitung. Seine Aktion sei "etwas blauäugig gewesen", räumt er ein.

Das Haltbarkeitsdatum des 9. November sei rein zufällig entstanden, behauptete er gegenüber dem "Merkur": "Das ist der Computer an der Abfüllanlage.“ Und der Preis von 88 Cent? Sei "niemandem aufgefallen", werde aber sofort geändert.

Die Brauerei sieht keinen Grund, den Verkauf des Skandal-Biers einzustellen. "Der Shitstorm kommt von außerhalb“, sagte Sillner der Zeitung. "Das sind Leute, die uns nicht kennen. Das sind Hetzer.“ Die bereits produzierten 200 Hektoliter will Sillner noch unters Volk bringen - schließlich verkaufe sich die "Grenzzaun Halbe" "wie geschnitten Brot".

Auch auf HuffPost:

Dieses Land will Flüchtlinge aufnehmen – aber die wollen nicht dort leben

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.