POLITIK
21/03/2016 04:42 CET | Aktualisiert 21/03/2016 06:46 CET

Sarazzin: "Merkels Deal kommt 1,2 Millionen Flüchtlinge zu spät"

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Der Skandal-Autor Sarrazin bei einer Lesung im September 2010

  • Skandal-Autor Thilo Sarazzin greift Merkels Türkei-Deal an

  • Er wirft der Kanzlerin vor, die Grenzsicherung an eine skrupellosen Staat abzutreten

  • Durch langes Ignorieren der Flüchtlingskrise hätten CDU und SPD den Aufstieg der AfD ermöglicht

Was macht eigentlich Thilo Sarazzin? Vor sechs Jahren löste der SPD-Politiker einen Skandal aus, als er in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" vor zu viel Zuwanderung aus muslimischen Ländern warnte.

Während der Flüchtlingskrise und den folgenden Wahlerfolgen der AfD hörte man überraschend wenig von dem provozierenden Autor. Jetzt meldet er sich zurück.

In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung bezeichnet er das Abkommen mit der Türkei als Erfolg für Angela Merkel. Allerdings warnt er: "Er kommt nur ein Jahr und 1,2 Millionen Flüchtlinge zu spät." Zudem sei die Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten nicht geregelt. "Und den Preis, den Europa für eine solche Zusage zahlen muss, kenne ich noch nicht. Man hat die Flüchtlingsfrage zu lange laufen lassen.“

"Europäische Augenzeugen sehen nicht, mit welchen Mitteln die Türkei die Grenze dicht hält"

Er kritisierte Merkel, dass sie Aufgabe des Grenzschutzes an die Türkei abgetreten habe. "Diese Aufgabe geben wir jetzt ab an einen Staat, der traditionell bei der Durchsetzung weniger Skrupel hat als die Länder West- und Nordeuropas und gegenwärtig im Osten der Türkei die eigene Zivilbevölkerung bombardiert. Europäische Augenzeugen sehen ja nicht, mit welchen Mitteln das türkische Militär die Grenzen nach Syrien dicht hält."

Erdogan werde dies ausnutzen: "Wenn man irgendetwas tut, was der Türkei nicht gefällt, sind morgen wieder 3000 Menschen auf der Insel Lesbos. "

Indirekt wirft er der Kanzlerin und ihren Anhängern Scheinheiligkeit vor: "Auf diese Art können wir vornehm bleiben und unsere Hände in Unschuld waschen."

"AfD-Wahlerfolge hätten verhindert werden können"

Es gebe nur zwei Möglichkeiten, die Flüchtlingskrise zu lösen: die Rückkehr zu nationalen Grenzen oder ein gemeinsamer europäischer Grenzschutz: "Entweder haben wir ein gemeinsames europäisches Grenzregime, das bedeutet ein gemeinsames Militärkommando, eine gemeinsame Grenzpolizei mit zentralen Weisungssträngen, was einer Entmachtung der Innenminister gleichkommt. Oder wir haben irgendwann eine Rückkehr zu nationalen Grenzen – das ist im Augenblick wahrscheinlicher."

Berlin habe diese Themen zu lange vernachlässigt und so den Aufstieg der AfD begünstigt. "Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD seine Analysen ernst genommen wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht diese Wahlerfolge."

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit dem Spendenportal Betterplace.org stellt die Huffington Post spannende Projekte vor, die ihr direkt unterstützen könnt:


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