POLITIK
20/03/2016 08:26 CET

Ex-SPD-Chef Müntefering lobt Merkels Politik als "historischen Verdienst"

dpa
Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat die Politik von Angela Merkel als "historischen Verdienst" bezeichnet

  • Ex-Vizekanzler Müntefering lobt Merkels Flüchtlingskurs

  • Seehofers Politik bezeichnet er als "intrigant"

  • Zu den Kanzlerchancen der SPD äußert sich Müntefering optimistisch

Ex-SPD-Chef Franz Münte­fe­ring hat die Flücht­lings­po­li­tik von Bun­des­kanz­le­rin Angela Mer­kel als his­to­ri­schen Ver­dienst gewür­digt. „Sie ver­sucht, Europa in die­ser Krise zusam­men zu hal­ten und die Flücht­linge men­schen­wür­dig zu behan­deln", sagte Müntefering der "Bild am Sonntag".

Er sei stolz dar­auf, betonte der frühere Vizekanzler, dass sich Deutsch­land nicht weg ducke als starke Macht, son­dern Ver­ant­wor­tung über­nimmt und Not lei­den­den Men­schen helfe. "Das ist ein his­to­ri­sches Ver­dienst."

"Seehofer schürt Misstrauen gegen Merkel"

Kritik äußerte Müntefering dagegen am politischen Kurs der CSU. „See­ho­fer schürt auf extrem intri­gante Weise Miss­trauen gegen Angela Mer­kel. Ich sehe nicht, wie die Uni­ons­par­teien wie­der zusam­men­fin­den kön­nen", sagte er.

"Ent­we­der lan­det der baye­ri­sche Löwe See­ho­fer als Bett­vor­le­ger und sagt: War alles nicht so gemeint. Oder er wird im nächs­ten Jahr sagen müs­sen: Ich will die Frau Mer­kel nicht als Kanz­ler­kan­di­da­tin. Dann ist er selbst dran. Fröh­li­che Reise.“

"Ein SPD-Kanzler? Das werde ich noch erleben"

Zu den Kanz­ler­chan­cen sei­ner Par­tei äußerte sich Münte­fe­ring opti­mis­tisch. „Spä­tes­tens in den 20er-Jahren die­ses Jahr­hun­derts sit­zen die Sozi­al­de­mo­kra­ten wie­der im Kanz­ler­amt. Ich werde das noch erle­ben“, sagte Münte­fe­ring voraus.

Gefragt, ob SPD-Chef Sig­mar Gabriel ein geeig­ne­ter Kanz­ler­kan­di­dat sei, sagte Münte­fe­ring: „Nie­mand kann im Vor­feld sagen, ob jemand Kanz­ler kann. Bei Frau Mer­kel haben viele, auch ich selbst gesagt, dass sie es nicht kann. Stimmte nicht. Gabriel ist ein guter Par­tei­vor­sit­zen­der, der alles Poten­zial auch für mehr hat. Manch­mal ist er anstren­gend – wie wir alle. Die Kern­frage ist, ob er eine gute Poli­tik macht. Und das tut er.“

Müntefering fordert Agenda 2030 zur Flüchtlings-Integration

Münte­fe­ring for­dert zudem eine Agenda 2030 zur Inte­gra­tion von Flücht­lin­gen. „In einer Agenda 2030 müs­sen die Her­aus­for­de­run­gen der Demo­gra­fie, der Migra­tion und der Inte­gra­tion gebün­delt ange­gan­gen wer­den. Das ist eine Gemein­schafts­auf­gabe von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen. Es geht um ein Gesellschafts- und Sozi­al­pro­gramm", sagte der frühere Arbeitsminister dem Blatt.

Münte­fe­ring erwar­tet, dass über die Inte­gra­tion der Flücht­linge Deutsch­lands Demografie-Problem gelöst wer­den könne: „Bis 2030 feh­len uns drei Mil­lio­nen Men­schen im Erwerbs­al­ter. Unsere Gesell­schaft kann die jun­gen Flücht­linge gut gebrau­chen. Ohne sie hät­ten wir ab 2020 ein rie­si­ges demo­gra­fi­sches Nach­wuchs­pro­blem. Das wäre eine Gefahr für unse­ren Wohl­stand.“

Auch auf HuffPost:

Ein junger Muslim rechnet mit Sachsen ab

Gesponsert von Knappschaft