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18/03/2016 14:01 CET

Wie die Bundesregieung die Bildung unserer Kinder aufs Spiel setzt

Ulrike Schmitt-Hartmann via Getty Images
Die Bundesregierung investiert zu wenig in die Bildung unserer Kinder

  • Ende Februar wurden die Lernstandserhebungen der Achtklässler durchgeführt.

  • Die Bildungspolitik steht unter Verdacht, die Statistiken aufhübschen zu wollen.

Die Lernstandserhebungen der Achtklässler, VERA (VERgleichsArbeiten in der Schule), finden jährlich in ganz Deutschland statt. Gleichzeitig mit anderen Schülern in dem jeweiligen Bundesland müssen die 13- bis 14-Jährigen Fragen in allen Hauptfächern beantworten. Ziel ist die Qualitätssicherung des Unterrichts.

Doch die Fragen, die bei der Lernstandserhebung in Nordrhein Westfalen gestellt wurden, sollen laut der "Wirtschaftswoche" auffallend simpel sein.

Es stellt sich die Frage, ob die Vergleichsprüfungen tatsächlich dazu dienen, "die Kompetenzorientierung im Bildungssystem zu stärken", wie es auf der offiziellen Website des NRW-Landesinstitut für Schule heißt.

Oder eher dazu, der Bildungspolitik, nach den schlechten Ergebnissen der deutschen Schüler bei der PISA-Studie, ein bestmögliches Zeugnis auszustellen?

Schönreden nach dem "PISA-Schock"

Denn der "PISA-Schock" hat Spuren in der deutschen Bildungspolitik hinterlassen. Im Zuge der öffentlichen Diskussion wurden auch die öffentlichen Bildungsausgaben des Bundes stark kritisiert. Diese liegen deutlich unter dem Durchschnitt der übrigen OECD-Länder.

Als Reaktion darauf war im Jahr 2004 das Konzept der Vergleichsarbeiten als empirisches Kontrollinstrument entwickelt worden. Seit dem Schuljahr 2006/2007 findet in fast allen Bundesländern die Lernstandserhebung in der 8. Klasse statt.

Doch ob die gestellten Aufgaben sich tatsächlich dazu eignen, die Qualität des Bildungssystems zu sichern, ist fraglich. Laut Informationen der "Wirtschaftswoche" finden sich "die Lösungen meist schon im Aufgabentext oder in mitgelieferten Grafiken".

Abbau der Bildung

Auch die auf der Webseite des für die Durchführung zuständigen Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen veröffentlichten Beispielaufgaben sind nicht gerade anspruchsvoll.

Bei einer Aufgabe werden die Schüler beispielsweise gefragt, wie viele Nullen eine Milliarde hat. Für jemanden, der nur ein paar Jahre später die Allgemeine Hochschulreife und somit eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben soll, wohl wenig angemessen.

Aufgebesserte Statistiken

Und Nordrhein-Westfalen stellt hierbei keinen Einzelfall dar. Die Statistiken bezeugen zwar einen Anstieg der bundesweiten Ausgaben für Bildung und Forschung. Doch auch hier gilt: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast."

Die "Gewerkschaft für Erziehung und Wirtschaft" prangerte bereits vor zwei Jahren an, dass die Bundesregierung die Zahlen durch Tricks aufhübscht.

Zum Beispiel wurden in diesem Jahr erstmalig die "zusätzlichen bildungsrelevanten Ausgaben“ in die Statistik mit einbezogen. "Das sind Ausgaben für betriebliche Weiterbildung, für weitere Bildungsangebote (Krippen, Horte, Volkshochschule, Jugendarbeit) – insgesamt knapp 22 Milliarden Euro bzw. 0,9 % des BIP.", heißt es auf der Webseite der Gewerkschaft für Erziehung und Wirtschaft.

Laut eines stellvertretenden Schulleiters, der anonym bleiben möchte, sinke auch der Anspruch des Abiturs immer mehr. Gegenüber der "Wirtschaftswoche" sagte er: "Der Niveauverlust an meiner eigenen Schule hat in der letzten Zeit dramatische Züge angenommen."

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