GOOD
17/03/2016 12:55 CET | Aktualisiert 17/03/2016 22:51 CET

Diese Schule in NRW hat ihren Unterricht revolutioniert - alle Schulen sollten von ihr lernen

Thanasis Zovoilis via Getty Images
Mother preparing her kid for school

Der frühe Unterrichtsbeginn ist für viele Jugendliche Folter. Schlafforscher warnen schon seit langem: Zwei Drittel aller Schüler können sich nicht konzentrieren, weil sie zu wenig geschlafen haben.

Grundschüler brauchen bis zu elf Stunden Schlaf, Jugendliche immerhin noch neun. Bekommen sie weniger, werden sie depressiv und können sich schlecht konzentrieren. Dennoch beginnen Schulen in Deutschland in der Regel um acht Uhr.

"Die schlafen in der ersten Stunde eigentlich noch"

Nicht so in Alsdorf, einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Dort wagt ein Gymnasium ein Experiment, das den Schulalltag in Deutschland für immer verändern könnte.

Für Oberstufen-Schüler hat Direktor Wilfried Bock eine Art Gleitzeit eingeführt. "Die schlafen in der ersten Stunde eigentlich noch", sagte er der "Aachener Zeitung", die über das Projekt berichtet.

Den Schülern steht frei, ob sie um 8 Uhr oder erst um 8.50 Uhr kommen. In dieser Zeit findet kein Unterricht statt, sondern eine Art Freistunde, die die Schüler zum Lernen verwenden können. Wer später kommt, muss die Zeit eigenverantwortlich am Nachmittag nachholen. Dann haben die Schüler, die früher kamen, frei.

Schüler können sich besser konzentrieren

Bock nimmt damit an einer bundesweit einzigartigen Studie teil, die das Schlafverhalten von Schülern analysiert. Die Hälfte der Oberstufenschüler führt ein Schlaftagebuch. 45 Schüler tragen außerdem ein Band am Handgelenk, das misst, ob der Träger aktiv ist.

Auf die Idee mitzumachen war die Schulleitung nach dem Vortrag eines Hamburger Forschers gekommen. „Da hieß es, das Schlafhormon würde bei Jugendlichen zwischen 15 und 23 Jahren zwei bis drei Stunden später ausgeschüttet als in anderen Lebensphasen“, sagte Schulleiter Bock der „Aachener Zeitung“.

Glaubt man Schlafforschern, ist die Gleitzeit ein Segen für die Schüler. Sie können sich besser konzentrieren - und schwänzen weniger die erste Stunde.

Das zumindest ergab eine Studie des Hasbro Kinderkrankenhaus im US-Staat Rhode Island. Die Jugendlichen waren schon mit einer halben Stunde mehr Schlaf motivierter und mehr bei der Sache.

Experten unterstützen Reformen

In der Huffington Post hatten bereits mehrere Politiker und Wissenschaftler für einen späteren Schulbeginn plädiert.

Biologe und Buchautor Peter Spork forderte etwa: "Wir sollten schnellstmöglich etwas tun, weil ausreichender Schlaf für das Lernen besonders wichtig ist und weil es gerechter ist, wenn alle Schüler im Leistungshoch unterrichtet werden." Ein Unterrichtsbeginn um 9 Uhr, beziehungsweise 10 Uhr für Oberstufenschüler, halte er daher für sinnvoll.

"Eine moderne Schule braucht auch moderne Bildungs- und Lernzeiten", sagte auch SPD-Bildungs-Experte Ernst Dieter Rossmann. Man müsse ernstnehmen, was die Lernpsychologie und die Schulpädagogik sage.

Auch auf HuffPost:

Du willst, dass dein Kind ein Genie wird? Dann gib ihm einen dieser Namen!

Gesponsert von Knappschaft