POLITIK
17/03/2016 21:26 CET | Aktualisiert 18/03/2016 00:27 CET

Bis zu 6,4 Millionen Flüchtlinge bis Ende 2016 - Dieses Szenario von Forschern würde Deutschland dramatisch verändern

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Es ist eine Frage, die unberechenbar scheint: Wie viele Flüchtlinge kommen tatsächlich 2016? Wie schwer das zu berechnen ist, zeigte schon das Jahr 2015. Ging man Anfang des Jahres noch von einigen hunderttausend Flüchtlingen aus, kamen bis Ende des Jahres dann tatsächlich rund eine Million Asylsuchende.

Die Fluchtbewegung ist von unzähligen Faktoren abhängig. So spielt die Lage in Syrien genauso eine Rolle wie auf der Balkan-Route. Politische Signale können die Fluchtbewegung ebenfalls beeinflussen – genauso wie die Lage in anderen, afrikanischen Ländern.

Die Freibruger Denkfabrik SAT hat versucht, all diese Faktoren für die „Welt“ in ein Modell zu packen. Der Thinktank arbeitet vor allem Modelle für Versicherungen und Industriekonzerne aus. Nun allerdings konzentriert es sich auch auf politische und gesellschaftliche Zusammenhänge.

Das Modell, über das die „Welt“ berichtet, ist alarmierend.

Im Optimalfall kämen immer noch 1,8 Millionen Flüchtlinge bis Ende 2016 nach Europa. Das wären in diesem Jahr 800.000. In diesem Szenario gelingt es, Frieden in Syrien zu erlangen. Der Bürgerkrieg wäre von heute auf morgen vorbei, berichtet die „Welt“.

Das dies höchst unwahrscheinlich ist, rechnet SAT vor, was passiert, wenn der Bürgerkrieg weitergeht - der EU allerdings ein Pakt mit der Türkei gelingt, wie er gerade in Brüssel verhandelt wird. Selbst dann würden im schlimmsten Fall noch 2,1 Millionen Flüchtlinge bis Ende 2016 ankommen, berichtet die „Welt“. Die Flüchtlingszahlen würden also keinesfalls zurückgehen.

Viele Krisen in Afrika

Weit mehr Flüchtlinge würden kommen, wenn die in Afrika schwelenden Konfliktherde eskalieren. So hat SAT ausgerechnet, was passiert, wenn Nigeria, Tschad, Sudan und Kongo Chaos herrscht.

Die Menschen würden über Libyen nach Italien und Spanien kommen und anschließend Deutschland gelangen. Bei offener Balkan-Route würden so 6,4 Millionen Menschen bis zum Jahresende nach Deutschland flüchten, berichtet die „Welt“.

Zum Vergleich: Die Bundesregierung geht offiziell derzeit von 500.000 neuen Flüchtlingen für das Jahr 2016 aus. Ginge es nach der CSU, ist das schon zu viel: Sie fordert eine Obergrenze bei 200.000 Flüchtlingen.

Der Kern des SAT-Modells: Die Fluchtbewegung kennt nicht nur eine Route. Im Moment gehen die EU-Staaten vor allem davon aus, die Flüchtlingskrise über die Schließung der Balkan-Route zu lösen. Doch gut möglich, dass die Flüchtlinge bald ausweichen.

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