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16/03/2016 09:31 CET | Aktualisiert 16/03/2016 09:49 CET

"Meine Tochter wurde Opfer von Traditionen": Vater von Ehrenmord-Opfer schreibt bewegenden Nachruf

DPA
Polizei sichert den Tatort in Hannover

  • Auf einer kurdichen Hochzeitsfeier in Hannover wurde eine junge Frau erschossen

  • Der Vater des Opfers schreibt auf Facebook, dass es sich um einen Ehrenmord handelte

  • Seine Tochter sei erschossen worden, weil sie sich weigerte, ihren Cousin zu heiraten

Ein Mord auf einer Hochzeitsfeier schockt Hannover. Jetzt stellt sich heraus, dass es sich offensichtlich um einen Ehrenmord in einer kurdischen Familie handelte.

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung veröffentlichte der Vater des Opfers einen Nachruf auf seine Tochter auf Facebook.

Darin berichtet der Vater, dass er von Mai bis Juni 2015 im Irak bei einem Hilfsprojekt gewesen sei. Seine Brüder in Deutschland hätten in dieser Zeit hinter seinem Rücken beschlossen, dass seine Tochter den Sohn eines Bruders heiraten solle.

Vater löste Zwangs-Verlobung der Tochter auf

Die 21-jährige Tochter wollte dies aber nicht. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, hatte die deutsche Staatsbürgerschaft und studierte Immobilienmanagement.

Als der Vater aus dem Irak zurückkehrte, bat seine Tochter ihn um Hilfe. Sie habe ihm gesagt, dass sie den Cousin nicht heiraten wollte. "Deshalb habe ich die Verlobung aufgelöst“, schreibt der Vater. Sein Bruder und der enttäuschte Cousin wollten daher Rache. Nach "Bild"-Angaben feuerte der Cousin die Schüsse ab.

Sein Kind sei daher Opfer "eines heimtückischen Verrats, Bräuchen und Traditionen", schrieb der Vater.

"Wir wohnen hier in Europa!"

Die Fahndung nach dem 22 Jahre alten mutmaßlichen Täter läuft weiter mit Hochdruck. In seiner Wohnung in Burgdorf bei Hannover hätten Einsatzkräfte den jungen Mann nicht angetroffen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Auf der Hochzeit sahen hunderte Gäste den Mord. Nachdem bereits über Stunden ausgelassen gefeiert worden war, kam es kurz nach 22.00 Uhr plötzlich zu den gezielten Schüssen auf die Frau. Sie starb später im Krankenhaus. Bei einer anschließenden Schlägerei gab es fünf Verletzte.

Zum Hintergrund und einem Verwandtschaftsverhältnis von Opfer und Täter wollte die Staatsanwaltschaft noch nichts sagen.

Kurden in der Region reagierten schockiert und empört. Der Vater fordert harte Strafen für den Mörder: "Es ist ein Verbrechen an einem unschuldigen Menschen, wir wohnen hier in Europa!"

Mit Material der DPA

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