POLITIK
16/03/2016 18:03 CET | Aktualisiert 17/03/2016 00:02 CET

EXKLUSIV: In dieser Bevölkerungsgruppe wählte fast jeder Zweite AfD

dpa
Die AfD konnte in einer Bevölkerungsschicht besonders viele Wähler für sich gewinnen - fast die Hälfte

  • Die AfD punktete bei einer Bevölkerungsgruppe, auf die die Parteiführung eigentlich pfeift

  • Die These, dass die AfD vor allem bei der Mittelschicht beliebt ist, lässt sich nicht halten

So also sieht er aus, der typische AfD-Wähler: Er ist eher ungebildet und jung. Darauf deuten zumindest Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen hin. 43 Prozent - und damit fast jeder zweite Wähler unter 35 Jahren - mit einem Haupt- oder Mittelschulabschluss votierten bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die AfD.

Das ergab eine Anfrage der Huffington Post bei der Forschungsgruppe Wahlen. "In keiner anderen Bevölkerungsgruppe haben mehr Menschen die Partei gewählt“, sagt ein Sprecher. Die AfD kam in Sachsen-Anhalt laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 24,2 Prozent.

Die AfD wird nicht vom Mittelstand getragen

Und schon seit Montagmorgen ist klar: 37 Prozent der Arbeiter und 38 Prozent der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt votierten für die AfD. Wer einen „niedrigem Bildungsgrad“ hat, wählte die Partei etwas häufiger (25 Prozent), unter Menschen mit einem „hohen Bildungsgrad“ waren es dagegen 15 Prozent.

Das ist so gar nicht der Wähler, den die AfD-Spitze immer skizziert, wenn sie von ihrer Partei spricht. Viele Parteigranden schwadronieren gerne davon, dass die rechtskonservative Gruppierung vom deutschen Mittelstand getragen würde – doch dem ist nicht so.

Klar ist: Besonders viele junge Menschen wählten AfD – 29 Prozent waren es etwa in der Gruppe der Wähler zwischen 25 und 34 Jahren.

Politologe: Die fehlende politische Bildung ist eine Ursache für den AfD-Triumph

Den renommierten Dresdner Politologen Werner Patzelt erstaunen solche Zahlen nicht. „Schon länger haben viele junge Menschen mit geringem Bildungshintergrund stark rechte Einstellungen.“

Ein zentraler Grund für den Rechts-Drall vieler junger Menschen sei die fehlende politische Bildung an deutschen Schulen. So habe sich Deutschland „eine große Zahl an Rechtsradikalen herangezüchtet“.

Eine weitere wichtige Ursache ist Patzelt zufolge aber auch „die Frage der sozialen Gerechtigkeit“. Viele Jugendliche in den neuen Ländern fühlten sich etwa durch die strengen Hartz-4-Regelungen benachteiligt.

Die jungen Menschen fragten sich etwa, ob die hohe Zahl an Flüchtlingen den Sozialstaat gefährde. „Bleibt da noch etwas für uns?“

Die AfD arbeitet gegen ihre Wähler

Dumm nur für viele AfD-Wähler: Sollten die wirtschaftspolitischen Positionen der AfD umgesetzten werden, könnte dies für viele Arbeitslose und Arbeiter teure Folgen haben.

So plant die Partei etwa, Steuern für Reiche zu senken. Auch will die AfD Medienberichten zufolge etwa, die Arbeitslosen-Versicherung zu privatisieren.

Diese Reform würde vor allem einfache Arbeiter oder häufig arbeitslose Menschen belasten.

Der Passauer Politikprofessor Heinrich Oberreuter sagte bereits vor der Wahl der Huffington Post: „Das AfD-Programm ist ein FDP-Ersatzprogramm.“ Deshalb bestehe zwischen den Wünschen der Wähler und der Ausrichtung der Partei „ein riesiger Gegensatz“. Das Problem sei, dass kaum jemand das Programm lese – er sollte Recht behalten.

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