LIFESTYLE
15/03/2016 12:10 CET

An die Mutter mit dem schreienden Kind im Restaurant

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An die Mutter mit dem schreienden Kind im Restaurant

Wir alle kennen diese Situation: Man möchte sein Essen im Restaurant genießen, kann es aber nicht, weil der Nachbartisch so laut ist. Vielleicht diskutiert ein Paar zu enthusiastisch, vielleicht sitzen aber auch Eltern mit ihren Kindern nebenan, und die Kleinen schreien einfach viel zu laut.

Viele nehmen es hin, manche beschweren sich beim Servicepersonal über die lauten Sitznachbarn. Eine solche Beschwerde erreichte auch Tony Posnanski, der seit 15 Jahren ein Restaurant leitet. Gäste hatten sich bei seinem Personal beklagt, dass ein Kind, das mit seiner Mutter im Restaurant zu Gast war, zu laut schreien würde.

Er ging zu der Mutter hin und noch ehe er etwas sagen konnte, brachte sie ihn mit einem einzigen Satz völlig aus der Fassung. Nach ihren Worten beschloss er, dass das Essen der Familie aufs Haus gehen würde. Als er an diesem Abend nach Hause kam, postete er einen Beitrag auf seiner Facebook-Seite, der von "Love what Matters" geteilt wurde.

"To the woman and child who sat at table 9,I did not introduce myself to you. My name is Tony Posnanski. I have been a...

Posted by Love What Matters on Montag, 14. März 2016


In dem emotionalen Post beschreibt der Restaurantmanager, was vorgefallen ist

"An die Frau mit dem Kind, die an Tisch neun gesessen hat

Ich hatte mich gar nicht bei euch vorgestellt. Mein Name ist Tony Posnanski. Ich bin nun schon seit 15 Jahren Restaurant-Manager. Ich kümmere mich jeden Tag darum, dass alles im Restaurant glatt läuft. Dafür wasche ich ab, koche und manchmal kellnere ich sogar. Ich wurde schon mit den verschiedensten Beschwerden konfrontiert.

Vor ein paar Wochen seid ihr in mein Restaurant gekommen. An diesem Abend hatte ich sehr viel zu tun. Ich hetzte durch das Restaurant und half in der Küche aus. Ich wurde darum gebeten, mich Gästen anzunehmen, die nicht weit von eurem Tisch saßen. Das tat ich und sie meinten, dass das Kind an Tisch neun sehr laut sei. Während ich mit ihnen redete, hörte ich Geschrei. Ich hörte ein lautes „Biep“ von einem kleinen Mädchen.

Ich ging in Richtung eures Tisches. Du wusstest, was ich fragen würde. Du hast gesehen, wie die Gäste, mit denen ich gerade gesprochen hatte, direkt auf euch gezeigt hatten. Du hast das Wort ergriffen: "Wissen Sie wie es ist, ein Kind zu haben, das an Autismus leidet?“

Deine Frage war nicht unhöflich, tatsächlich schien sie von Herzen zu kommen. Deine Tochter kann nicht älter als fünf Jahre gewesen sein. Sie war sehr hübsch und schien sich zu fürchten, weil ich an eurem Tisch stand. Sie wusste, dass sie jetzt in Schwierigkeiten war.

In meinen 15 Jahren als Restaurant-Manager sind mir nicht viele Momente im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich an ein paar Gäste, die mit ihren Burgern unzufrieden waren, weil sie nicht so zubereitet wurden, wie sie es gerne gehabt hätten. Ich erinnere mich an eine Frau, die sich über mich beschwerte, weil sie behauptete, ich hätte ihr eine normale Cola anstatt einer Cola Light gegeben. Ich erinnere mich an Gäste, die ich daran hindern musste, mehr Alkohol zu trinken oder die ich dazu ermahnen musste, ihre Kinder zu beruhigen.

Aber ich erinnere mich an jede Sekunde des Tages, an dem mein Sohn auf die Welt kam. Wie ich weinte, als ich ihn schreien hörte. Wie ich ihm sagte, ich würde alles für ihn tun, um der beste Vater für ihn zu sein. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich meine Frau heiratete. Wie ich weinte und versprach, der bestmögliche Ehemann zu sein. Ich erinnere mich an den Tag, an dem meine Tochter geboren wurde. An dem Tag weinte ich nicht, ich war nur erleichtert. Zwei Jahre davor hatte ich ein Kind verloren.

Ich wusste, was ich sagen sollte, als ich zu euch an den Tisch kam. Ich sollte dich höflich darum bitten, dein Kind vom Schreien abzuhalten. Ich sollte vorschlagen, euch an einen anderen Tisch zu setzen. Ich sollte dich kränken ohne dich zu kränken ...

Ich habe nichts davon getan.

Stattdessen sagte ich dir, dass ich hoffte, euer Essen sei spitze. Ich gab deiner Tochter ein High-Five und sagte dir, euer Essen gehe aufs Haus. Es waren nur 16 Dollar. Mir bedeutete es viel mehr als das. Ich wusste, dass die Gäste, mit denen ich davor gesprochen hatte, darüber nicht glücklich waren. In dem Moment war mir das egal.

Ich weiß nicht, wie du reagiert hast. Ich musste gehen und in der Küche aushelfen, dort ging es an dem Abend drunter und drüber. Als mich der Kellner fragte, warum ich euer Essen gezahlt habe, sagte ich einfach, euch hätte das Steak nicht geschmeckt. Ich sagte niemandem, was du zu mir gesagt hattest. Trotzdem war ich dankbar für deine Worte.

Du hast mir eine Frage gestellt, die ich nicht beantwortet habe. Die Wahrheit ist, dass ich nicht weiß, wie es ist, ein autistisches Kind zu haben. Ich weiß, wie es ist, Vater zu sein. Ich weiß, wie es ist, ein Ehemann zu sein. Ich weiß, wie es ist zu wissen, dass man seiner Frau nicht oft genug sagt, wie sehr man sie liebt. Ich weiß, wie es ist, mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu wollen.

Du hast mir die Frage ohne Umschweife gestellt. Du hast das wohl schon in anderen Restaurants miterlebt. Für einen Moment wollte ich nicht wie die anderen Manager sein. Ich wollte nicht das zu dir sagen, was du jedes Mal hörst.

Um ehrlich zu sein schreibe ich das an dich und deine schöne Tochter, um euch zu danken. Ihr habt mir eine wunderschöne Erinnerung im Restaurant geschenkt. Eine, die ich nach 15 Jahren dringend nötig hatte. Und ihr habt mir etwas Wichtiges beigebracht: Das Richtige zu tun, macht manchmal nicht alle glücklich; aber die Leute, die es am dringendsten benötigen.

Von Herzen, Tony Posnanski"

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