Fernpendler im Stress: So schadet das ihrer Gesundheit

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ANGRY COMMUTER
Pendeln ist anstrengend und kann auch das Burnout-Risiko steigern | diego_cervo via Getty Images
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  • Pendler-Stress kann das Burnout-Risiko erhöhen
  • Die Deutschen pendeln im Schnitt 40 Minuten
  • Flexible Arbeitszeiten minimieren Zeitdruck am Morgen

Pendeln macht krank. Das berichten verschiedene Medien. Und irgendwie kann man sich das auch gut vorstellen. Stau auf der Einfallstraße, Zug-Verspätung oder S-Bahn-Ausfall. Es gibt viele Momente beim Pendeln, die purer Stress sind. Und das oft bevor die eigentlich Arbeit begonnen hat.

Der Grund fürs Pendeln: Der attraktive Arbeitsplatz ist meist nicht unbedingt der beste Wohnort. Vielleicht sind die Mieten zu hoch, das Angebot zu klein oder man möchte gerne auf dem Land leben.

Und weil man weder auf den tollen Job noch auf eine gute Wohnung verzichten will und kann, nehmen Arbeitnehmer größere Anfahrten zur Arbeiten auf sich. Das sagte zum Beispiel Steffen Häfner, Chefarzt der Abteilung für Verhaltensmedizin und Psychosomatik an der Deutschen Klinik für Integrative Medizin und Naturheilverfahren in Bad Elster gegenüber der Krankenkasse AOK on.

Pendeln kann schmerzen

Im Schnitt pendeln die Deutschen 40 Minuten am Tag. Das ist im internationalen Vergleich nicht viel. Laut der "Deutschen Handwerkszeitung" fahren die Europameister im Pendeln, die Belgier, nämlich 53 Minuten am Tag.

Aber nicht jeder, der für deinen Arbeitsweg ins Auto oder in den Zug steigt, ist gleich ein Pendler im wissenschaftlichen Sinne. Diese benötigen für eine einfache Strecke länger als 45 Minuten, erklärte Häfner im Interview. Andere nennen als Benchmark zirka 50 Kilometer.

Eine solche lange Anfahrt zum Job und ein zeitraubender Heimweg sollte vorab immer durchdacht werden. Lohnt es wirklich?
Denn viele Pendler leiden unter Rücken- und Kopfschmerzen und kämpfen mit Symptomen wie Müdigkeit bis Schwindelgefühl, erklärte Häfner.

Pendeln: Ursache für chronischen Stress

Zudem setzen sich Nutzer von Bus und Bahn auch den verschiedensten Infektionen aus - gerade auch zu Grippe- und Erkältungszeit im Winter.

Und dann ist da ja auch noch der Schlafmangel und der daraus resultierende Konzentrationsmangel. Wegen des Weges müssen Pendler in der Regel nämlich eher aufstehen als Kollegen, die vor Ort leben. Das erklärt der Experte im Krankenkassen-Interview.

Aber auch der Pendler-Stress kann eine Ursache für die körperliche und psychische Erschöpfung sein. Eine Studie der Universität Montreal zeigte auf: Bereits 20 Minuten im Auto, in Bus oder Bahn - aber selbst auf dem Fahrrad - machen einen Menschen anfälliger für chronischen Stress.

Und ab 35 Minuten ist ein Pendler signifikant zynischer als Nicht-Pendler, wenn es über den Job geht. Darüber berichtete zum Beispiel auch die britische Zeitung "Independent".

Pendler-Stress erhöht das Burnout-Risiko

An der Erhebung nahmen fast 2000 Teilnehmer zwischen 17 und 69 Jahren teil, die bei 63 verschiedenen Unternehmen im kanadischen Quebec arbeiten. Das Fazit der Studien-Autorin Annie Barreck: "Es existiert eine Korrelation zwischen den Stress-Faktoren von Pendlern und der Wahrscheinlichkeit ein Burnout zu erleiden."

Wie stressig das Pendeln wirklich ist, das hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Der Persönlichkeit zum Beispiel, dem Weg und dem Transportmittel.

Manche Erkenntnisse sind auch nicht überraschend und durchaus nachvollziehbar: Je größer die Stadt ist, desto stressiger ist zum Beispiel das Autofahren. Wer nun meint eine Fahrgemeinschaft zu bilden, könnte hier Abhilfe schaffen: Als Mitfahrer kann man sich der Studie nach ebenfalls gestresst fühlen - wegen dem Kontrollverlust.

Das kennen den kanadischen Erkenntnissen nach auch Fußgänger oder Radfahrer: Wenn eine Möglichkeit fehlt, sicher die Straße zu queren, verlieren sie die Hoheit über ihren Weg. Das ist Stress! Und kostet Kraft, die im Job einfach fehlt.

Flexible Arbeitszeiten minimieren den Zeitdruck

Annie Barreck sieht die Arbeitgeber hier in der Pflicht. Denn würden diese das Pendeln flexibler gestalten, würde das die Effizienz der Mitarbeiter erhöhen und den Organisationen helfen, Arbeitnehmer zu gewinnen - und dann auch zu halten.

Das sieht Häfner ähnlich. Auch für den Mediziner helfen flexible Arbeitszeiten, Stress bei Pendlern abzubauen. "So muss man keine Angst haben, zu spät zu kommen, und kann die Rushhour im Verkehr vermeiden", sagte er im AOK-Interview.

Er ermahnt aber auch die Pendler selbst: Oft unterschätzen diese den Zeitaufwand. Dadurch habe man auch weniger Zeit, um sich seiner Gesundheit zu widmen und da man alles aufs Wochenende verschiebe, ist dieses überfüllt. Ein Problem.

Tipps für Pendler

Seine Tipps für Pendler:

  • Sich zeitig auf dem Weg machen. Dann entsteht kein Zeitdruck. Staus und Verzögerungen können dadurch einen nicht aus dem Tritt bringen.
  • Zudem nicht immer auf den schnellsten, sondern auf den bequemsten Weg setzen. Also lieber länger fahren und auf Umstiege in einen anderen Zug verzichten. Dadurch muss man nicht um seinen Anschluss bangen oder erneut einen Sitzplatz suchen.
  • Autofahrer sollten Verkehrsmeldungen für ihre Routenplanung berücksichtigen. Und geht es doch einmal nicht weiter: Die Lieblings-CD sorgt für mehr Gelassenheit.
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