CDU nach Landtagswahlen in Schockstarre: "Uns ist Maß und Mitte verlorengegangen"

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TAUBER
dpa
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Totenstill waren die CDU-Anhänger, als im Konrad-Adenauer-Haus die ersten Prognosen vorgelesen wurden.

Julia Klöckner liegt in Rheinland-Pfalz weit hinter Malu Dreyer - eigentlich war sie mit einem gewaltigen Vorsprung ins Rennen gegangen und sollte Ministerpräsident werden.

In Baden-Württemberg erzielen die Konservativen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Und das im einstigen Stammland. Eine Katastrophe.

"Ein bitterer Tag"

Und in Sachsen-Anhalt verliert die CDU, während die AfD über 20 Prozent holt. Ein großes Raunen geht durch die Parteizentrale - die erste Reaktion der Konservativen nach 18 Uhr.

Keine Minute waren die Prognosen alt, als JU-Chef Paul Ziemiack schon ein vernichtendes Urteil gab. "Ein bitterer Tag", sagte er.

Und dieser bittere Tag wird die Partei noch weit über den Wahlsonntag beschäftigen. Bezeichnend, dass Kanzlerin Merkel an diesem Abend erstmal nichts sagen wollte.

Kurswechsel nötig?

Sie schickte ihren Generalsekretär Peter Tauber vor. Als eine Abstimmung über Merkels Flüchtlingspolitik wurde die Wahl im Vorfeld gedeutet. Ob es jetzt einen Kurswechsel brauche? "Das sehe ich nicht", sagte Tauber in Berlin knapp. Der musste sich ein freundliches Lächeln abmühen, denn er weiß, wie umstritten Merkels Kurs bislang war. Es wird jetzt nicht einfacher.

Natürlich haben die Strategen im Kanzleramt schon angefangen, das Ergebnis als Erfolg für Merkel zu deuten. Grünen-Kandidat Winfried Kretschmann etwa verteidigte Merkel - und gewann. Klöckner, Wolf und Haseloff hingegen, die sich von Merkel abgrenzten verloren.

Tatsächlich mag die Wahl ein Erfolg für Merkels Kurs sein. Ein Erfolg für die CDU aber ist sie nicht. Sie ist eine krachende Niederlage. Denn Merkel, das wurde bei dieser Wahl deutlich, hat ihre Anhänger mehr und mehr in anderen Parteien.

"Müssen Politik besser erklären"

In der CDU hält man sich zwar noch bedeckt mit kritischen Aussagen. "Uns ist Maß und Mitte - traditionell unsere größte Stärke - in den letzten Monaten stark abhanden gekommen", sagt etwa Armin Schuster der Huffington Post. Und CDU-Politiker Martin Pätzold sagt: "Wir müssen unsere Politik besser erklären."

Aber die Konservativen werden nervös. Die meisten sehen nichts Gutes an diesem krachend schlechten Ergebnis - dass Merkel das jetzt als Erfolg für sich persönlich verbuchen könnte, klingt für sie wie Hohn.

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