POLITIK

"Vernichtendes Urteil der Wähler": Die internationale Presse zu den Landtagswahlen

13/03/2016 21:20 CET | Aktualisiert 18/05/2016 13:01 CEST

  • Internationale Medien sehen die Landtagswahlen als Niederlage für Angela Merkel

  • Merkels "Willkommenspolitik" sei von den Wählern abgestraft worden

Die CDU hat Sachsen-Anhalt gewonnen und doch irgendwie verloren - weil die AfD hier überraschend stark war. Die internationale Presse geht mit Angela Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik hart ins Gericht.

Sie ist sich einig: Die Ergebnisse der Landtagswahl sind vor allem eine Niederlage für Kanzlerin Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik.

"Beispiellose Niederlage für Angela Merkel"

So schreibt die britische "Daily Mail": "Das vernichtende Urteil der deutschen Wähler über eine Politik der offenen Tür: Angela Merkel wird in entscheidenden Wahlen bestraft." Die französische "Le Monde" spricht von einer "beispiellosen Niederlage" für Merkel.

Auch die britische "Times" sieht die Wahlergebnisse als eine Abrechnung mit der Flüchtlingspolitik. "Merkel angeschlagen während sich Deutschland nach rechts wendet", titelt das Blatt heute Morgen.

Die "Financial Times“ nannte die Wahlergebnisse eine "dramatische Schlappe" für Angela Merkel.

Auch das amerikanische „Wall Street Journal“ schrieb angesichts der überraschenden Erfolge der AfD, Angela Merkels Willkommenspolitik sei "abgestraft worden".

Der britische "Independent“ schrieb, die Landtagswahlen seien „ein Desaster“ für Angela Merkel.

"Harte Abfuhr für Merkels ‚Willkommenspolitik’"

Die "USA Today“ zitierte den Düsseldorfer Politloge Jens Walther. Walther erklärte: "Die deutschen Wähler haben Merkel und ihre Partei für ihre Migrationspolitik in einer klaren und unmissverständlichen Weise bestraft.“

Auch in Österreich schossen sich die Medien auf die Kanzlerin ein: So nannte etwa die "Kronen Zeitung“ den Wahlausgang eine "Harte Abfuhr für Merkels ‚Willkommenspolitik’".

Birgit Baumann kommentierte wiederum für die Onlineedition des "Standard“, Merkel habe eine "Watsch'n“ bekommen. Es sei aufgrund der Ergebnisse bei den als Schicksalswahlen hochstilisierten Landtagswahlen "fast erstaunlich“, dass Merkel auch am Montag noch Bundeskanzlerin sein werde.

Gleichzeitig kritisierte Autorin Iris Mayer, die AfD fühle sich als das Volk, "auch wenn sie es nicht sind“. Deutschland brauche nun "Weitsicht und Mut“ – nicht die fremdenfeindliche Politik der AfD.

Der Schweizer "Blick" schreibt von einem "Rechtsrutsch in Deutschland". Die deutsche Chefredakteurin des Blattes kommentiert zum starken Abschneiden der AfD: "Das Problem der Demokratie sind nicht nur die schrillen Töne ihrer Feinde, es ist das Schulterzucken ihrer Freunde. Wenn die Mutbürger resignieren, dann geben die Wutbürger den Ton an."

Der "Tages-Anzeiger" ist der Ansicht, dass in Deutschland nun eine rechtes Wählerpotential seinen Ausdruck findet, das schon lange vorhanden war.

Ist das nun ein dramatischer Rechtsrutsch? Ja, aber auch nein. Schon lange vor dem Aufstieg der AfD gab es in Deutschland ein nationalistisches, elitenskeptisches und fremdenfeindliches Lager von rund einem Fünftel der Bevölkerung. Dieses war aber teils noch in den Volksparteien CDU/CSU gebunden oder versank im schwarzen Loch der Minderheit von Nichtwählern. Die AfD ist nun die erste Partei, die diesen Bürgern über den Protest der Stunde hinaus eine Stimme und eine Heimat gibt.

Die aktuellen Entwicklungen der Wahlen in den Newsblogs:

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