POLITIK
13/03/2016 23:47 CET | Aktualisiert 16/03/2016 09:04 CET

Nehmt die AfD endlich ernst! Sie ist keine Protestpartei, sondern eine ernste Gefahr für die Demokratie

dpa

Das, was um 18 Uhr im Neuen Schloss in Stuttgart beginnen sollte, trug den Namen „Wahlparty“. Doch schon nach wenigen Sekunden herrschte unter den 300 geladenen Gästen aus Politik und Medien eisiges Schweigen. In der ersten Hochrechnung des ZDF schnellte der Balken der AfD auf 12,5 Prozent hoch.

Es war der niedrigste Wert, auf den die rechtspopulistische Partei an diesem Abend taxiert wurde. Je später der Abend, desto klarer wurde, wie deutlich der Wahlsieg der AfD in Baden-Württemberg ausfallen würde. Gegen 20 Uhr schien ein Ergebnis von 15 Prozent möglich.

Ein Grund für das gute Abschneiden der AfD wurde im Laufe des Abends deutlich: Immer noch ist kein bedeutender Politiker bereit, die Alternative für Deutschland ernst zu nehmen.

Das Schlimmste, was nun passieren könnte? Das ewige Gerede von den "Protestwählern"

Bei der „Landespressekonferenz“ im Neuen Schloss etwa, die etwa anderthalb Stunden nach den ersten Hochrechnungen stattfand, redete Winfried Kretschmann (Grüne) davon, dass er nun die AfD bekämpfen wolle. Wie er das schaffen will, ließ er offen.

Und kein einziger Journalist hatte eine Frage für AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen vorbereitet. Offenbar müssen auch erstmal die Medien damit umgehen lernen, dass die AfD seit heute drittstärkste Kraft in Baden-Württemberg ist.

Das Schlimmste, was nun passieren könnte wäre, wenn Kretschmann diese Wahl zu einer „Protestwahl“ erklären würde. So wie es sein Amtskollege Volker Bouffier (CDU) zwei Wochen zuvor bei der Kommunalwahl in Hessen getan hatte.

Das war damals schon falsch. In Südhessen, wo die Wahlbeteiligung höher war als anderswo, hatte die AfD überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Das hätte allen ein Warnsignal sein müssen, die immer noch von einem „Protestwahlverhalten“ redeten, der „Unzufriedene“ in die Arme der AfD triebe.

AfD-Wähler sind keineswegs frustriert, sondern hochmotiviert

Das Gegenteil ist richtig: Die AfD ist spätestens seit diesem Sonntag eine etablierte politische Kraft. Ihre Wählerschaft ist keineswegs frustriert, sondern im höchsten Maße motiviert.

Die Alternative für Deutschland hat es sogar geschafft, vormalige Nichtwähler zurück in die Wahllokale zu bringen – allein in Baden-Württemberg waren es wohl etwa 200.000.

Was folgt daraus? Die AfD gibt offenbar vor allem denen Hoffnung, die sich eigentlich schon aus dieser Demokratie in die innere politische Emigration zurückgezogen haben. Das eröffnet ihr große Chancen bei den kommenden Wahlen – sofern sie diese Erwartungen nicht enttäuscht. Denn das Reservoir an Nichtwählern in Deutschland ist mittlerweile riesig.

Das Problem löst sich nicht von allein

Schon jetzt wird die AfD nicht „blind“ gewählt. Ihre Anhänger wissen offenbar genau, was ihnen an den etablierten Parteien nicht passt – und wie es die Alternative für Deutschland besser machen könnte.

Deswegen sollten auch all jene jetzt noch mal in sich gehen, die immer glaubten, dass Problem mit der AfD würde sich von allein lösen. Mitnichten. Der heutige Abend hat uns einen Vorgeschmack gegeben, wie der Aufstieg der AfD weiterhin verlaufen könnte. Die Mobilisierung der Nichtwähler könnte für die Rechtsradikalen der Schlüssel zu weiteren Erfolgen sein.

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