POLITIK
12/03/2016 22:30 CET | Aktualisiert 13/03/2016 01:37 CET

Warum der AfD der wahre Erfolg in Ostdeutschland erst noch bevorsteht

dpa

  • Bisher zog die Linke in Ostdeutschland die Protestwähler an

  • Doch junge Menschen wählen zunehmend rechte Parteien

Die Linke war für den Osten Deutschlands bisher ein wenig das, was die CSU für Bayern ist: Eine Partei mit starkem regionalen Profil und intensiver Basisarbeit, die es geschafft hat, trotz ambivalentem Auftreten in der Bundespolitik breite Wählerschichten anzusprechen.

Und obwohl das kaum ein Bundestagsabgeordneter der Linken offen zugeben würde: Die Partei hat es in den östlichen Bundesländern geschafft, Wähler von rechten Rand zu integrieren. Angesichts der dort recht moderaten Wahlprogramme ist das durchaus ein Verdienst für die Demokratie.

AfD punktet bei den Wählern unter 30

Doch damit könnte bald Schluss sein. Der Linken drohen in Sachsen-Anhalt herbe Verluste, vor allem bei jungen Protestwählern. Das ist ein erster Hinweis darauf, welches Problem in den kommenden Jahren auf die ostdeutschen Bundesländer zukommt: Junge, vom politischen System enttäuschte Wähler geben ihre Stimmen zunehmend rechten Parteien.

Die 19 Prozent, auf die die AfD derzeit in Sachsen-Anhalt in Umfragen kommt, könnten deshalb erst der Anfang für einen weiteren Aufstieg rechter Parteien sein.

Einen Hinweis darauf, dass eine solche Entwicklung droht, gab im Februar eine Umfrage des MDR. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die AfD bei Wählern unter 30 Jahren dramatisch zulegen könnte: Fast jeder dritte Sachsen-Anhalter hätte vor vier Wochen der Alternative für Deutschland seine Stimme gegeben. Die Linke kam in dieser Altersgruppe auf weniger Wähler als im Landesdurchschnitt.

Insgesamt waren es damals 17 Prozent, die für die AfD gestimmt hätten. Ein Plus von zwölf Prozentpunkten im Vergleich zu einer Umfrage, die der MDR im September 2015 in Auftrag gegeben hatte.

Die Linken verlieren Wähler, die Rechten legen zu

Ebenfalls auffällig: Die Linke war in dieser Umfrage die größte Verliererin. Im Vergleich zu September 2015 hatte sie sechs Prozentpunkte verloren. Keine andere Partei hat in dieser Phase des Aufstiegs der Rechtspopulisten auch nur annähernd so viele Wähler eingebüßt wie die Linke.

Auch bei den Landtagswahlen in Brandenburg und in Thüringen machten rund 15 Prozent der unter 35-Jährigen ihr Kreuz bei der AfD. Die meisten Wähler hatte die Partei bei ihrer ersten Bundestagswahl 2013 bei den 18- bis 29-Jährigen.

Endgültigen Aufschluss über die genauen Wählerwanderungen wird zwar erst der Wahlabend bringen. Aber es scheint so, als ob die Linke gerade dabei wäre, ihre Integrationskraft zu verlieren. Bei den letzten Landtagswahlen in Ostdeutschland jagte die AfD vor allem der Linken viele Wähler ab.

Wer jung ist und ein Problem mit den "Altparteien" hat, wählt womöglich künftig eher die AfD als die Linke. Ganz im Gegensatz zu den älteren Stammwählern (der Durchschnittswähler der Linken ist rund 54 Jahre alt), die die Linke im Osten durchaus hat.

Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik

So ist vielleicht auch zu erklären, warum Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, schon Ende vergangenen Jahres Stimmung gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gemacht hat.

"Wir sind auch nicht der Meinung, dass man es so, wie Frau Merkel es macht, tatsächlich schaffen kann. Man sieht ja, dass es nicht geschafft wird, dass die Probleme in den Städten und Gemeinden akut sind, dass gerade die Bundesebene dabei versagt, ausreichende Unterstützung zu geben", sagte Wagenknecht damals der Tageszeitung "Die Welt".

Aus heutiger Sicht wird klar, was hinter diesem Statement gesteckt haben könnte: Es war der Versuch, um die Stimmen der jungen und Unzufriedenen zu werben. Bisher hatte sie damit nur mäßigen Erfolg.

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