POLITIK
11/03/2016 21:26 CET | Aktualisiert 12/01/2017 18:43 CET

Was diese Schule macht, sollte Vorbild für alle Schulen in Deutschland sein

dpa

  • Eine Wuppertaler Schule hat mit ungewöhnlichen Methoden Erfolg

  • Sie wurde zur "besten Schule Deutschlands" gekürt

  • Ihr Konzept könnte Vorbild für andere Bildungseinrichtungen sein

Eine Schule mitten im sozialen Brennpunkt einer Stadt in NRW - viele dürften da an eine Problemschule denken. Doch eine Gesamtschule in Wuppertal zeigt, dass Bildung auch mit 1400 Schülern aus 33 Nationen funktioniert.

Jeder dritte Schüler hat an der Gesamtschule im Wuppertaler Arbeiterstadtteil Oberbarmen eine Zuwanderungsgeschichte - zudem integriert die Schule 40 Kinder mit Förderbedarf. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum die Schüler dort gern und gut lernen.

"Ein herausragendes Schulklima"

Im vergangenen Jahr wurde sie zur besten Schule Deutschlands gekürt. Die Jury war beeindruckt - vom "herausragenden Schulklima" und von den Erfolgen der engagierten Lehrer.

Was macht die Schule so besonders? Und was können viele hundert andere Schulen von ihr lernen? Diese Fragen sind für Deutschlands Zukunft entscheiden, wenn man bedenkt, dass in den kommenden Jahren zehntausende Flüchtlingskinder in die Klassen kommen.

Besonders macht die Schule auch die Tatsache, dass sie bei landesweiten Vergleichen oft überdurchschnittlich abschneiden. Vielleicht, dass dort laut der Jury "seit Jahren kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlassen hat".

In der Begründung für den Preisverleih wurde zudem die konsequente Inklusion an der Schule gelobt, die bis in den Sportunterricht hineinreicht.

Doch es könnte auch an ganz einfachen Dingen liegen, die die Schule um ihre Leiterin Bettina Kubanek-Meis anders macht.

So hat man in Wuppertal-Barmen den "Schulalltag entschleunigt", wie es Kubanek-Meis' Stellvertreter Arne Brassat formuliert. Das heißt: 65 Minuten Unterricht am Stück statt ständigem Fächer- und Raumwechsel.

Entspannungs-Pädagogin für gestresste Schüler

Die große Pause ist hier 70 Minuten lang - damit sich die Schüler in der Mensa Zeit für ein gesundes Mittagessen nehmen können.

Eine Entspannungs-Pädagogin sorgt dafür, dass gestresste Schüler abschalten können. Und wer will, kann bei Fachlehrern in der Pause kostenlose Mathe-Nachhilfe nutzen.

"Ich habe selten eine Schule erlebt, an der Schüler, Lehrer und Eltern so respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen", begründete Jury-Sprecher Michael Schratz, Erziehungswissenschaftler an der Universität Innsbruck, die Entscheidung.

Jeder Schüler sei für etwas verantwortlich - etwa als Pate für Jüngere, als Medienscout oder Schulsanitäter.

Fehlende Weitsicht vor der Flüchtlingskrise

In einer Zeit, in der Bildung bei der Integration zunehmend an Bedeutung gewinnt, macht das Wuppertaler Modell Hoffnung. Jahrelang hatten die Länder in den vergangenen Jahren mit sinkenden Schülerzahlen gerechnet - und Personal abgebaut.

Jetzt kommen Kinder von Asylbewerbern hinzu, und viele Schulen sind nicht auf die neuen Herausforderungen eingestellt.

Vergangenen November hatte Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im Gespräch mit der Huffington Post vor einem "Bildungsnotstand" an deutschen Schulen gewarnt.

Auch an der Wuppertaler Gesamtschule verzichtet man auf eine Lehrerstelle. Das gesparte Geld investiert die Schulleitung lieber in Fachfrauen, die Schülern bei Prüfungsangst zur Seite stehen.

Es sind also viele kleine Dinge, die in Wuppertal am Ende den großen Unterschied machen. Und sie zeigen: Eine gute Schule muss nicht teuer sein. Vielmehr müssen sich die Lehrer nur trauen, von alten Konzepten Abstand zu nehmen.

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