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Edeka verkauft Halal-Fleisch: So hetzen Flüchtlingsgegner - weil sie "Tiere lieben"

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  • Einige wenige Edeka-Filialen in Deutschland verkaufen Halal-Fleisch
  • Flüchtlingsgegner hetzen nun auf Facebook gegen den Lebensmittel-Discounter
  • Auch vegane Tierschützer schlagen Alarm

Was für ein gefundenes Fressen für Asylgegner: Einige deutschen "Edeka"-Filialen bieten Halal-Fleisch in ihren Kühltheken an. So zumindest lautet ein Gerücht, das derzeit im Netz für Wirbel sorgt.

Im Sekundentakt prassen Anfragen von besorgten "Tierschützern" auf die Lebensmittelkette ein: "Ich werde euch ab jetzt boykottieren, wie Millionen andere Deutsche auch", schreibt ein User, "Bis jetzt dachte ich immer, ihr liebt Lebensmittel"

Edeka räumt ein: Ja, wir verkaufen Halal-Fleisch

In einer Mitteilung hat Edeka den Halal-Verkauf jetzt eingeräumt. Demnach würden "einzelne wenige Kaufleute" tatsächlich auch Fleischprodukte führen, die nach den religiösen Vorschriften des Islam produziert werden.

Wird bei Edeka Halal-Fleisch verkauft?Ja! Das geht auch aus verschiedenen Antworten von Edeka hervor!Was aber Halal...

Posted by Zuerst denken - dann klicken on Donnerstag, 10. März 2016

Allerdings, so betont Edeka, lehne das Unternehmen die Schächtung von Tieren grundsätzlich ab. Deshalb würde auch keine der Waren aus unbetäubten Schlachtungen stammen.

"Im Hinblick auf das Tierwohl unterscheidet sich die Halal-Schlachtung, wie sie vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist, nicht von konventionellen Schlachtungen."

Schächtung ist in Deutschland nicht erlaubt

Schächten ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, da das Tierschutzgesetz das Schlachten von Wirbeltieren ohne vorherige Betäubung untersagt.

Die Wut im Netz konnte diese Mitteilung aber nicht bremsen. 1564 Mitglieder sind inzwischen der Facebook-Gruppe "Nein zum Halal-Fleisch-Verkauf in Deutschland" beigetreten. Vegane Tierschutzaktivisten, aber auch Asylgegner empören sich dort über das muslimische Fleischangebot des Lebensmitteldiscounters. Zwischen der Ablehnung aus tierethischen Gründen und rechter Hetze lässt sich dort oft kaum mehr unterscheiden.

Die Antwort eines Filialeiters: Seid konsequent!

So findet eine Userin, dass "Edeka" mit den veganen Produkten die richtige Richtung eingeschlagen habe, nun aber mit dem Verkauf von "Halal"-Fleisch das "wahre Gesicht des Profits gezeigt habe."

Bei anderen Kommentaren könnte es dagegen nicht deutlicher sein, wie das Thema zur Hetze gegen Flüchtlinge instrumentalisiert wird: "Diese kranke Sekte (Islam) muss ausgerottet werden. Leider haben unsere Regierungsarschlöcher alles dafür getan, sie zu stärken und zu fördern."

"Halal" ist ein arabisches Wort und kann mit „erlaubt“ oder „zulässig“ übersetzt werden. Es bezeichnet auch Lebensmittel, die nach islamischen Recht eben erlaubt oder zulässig sind. Gemäß strenger muslimischen Vorschrift werden Tiere ohne Betäubung mit einem speziellen Messer und mit nur einem Schnitt quer durch die Halsunterseite getötet.

Das Tier soll vollständig ausbluten. Der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch im Islam verboten.

Flüchtlingshetze: "Diese kranke Sekte muss ausgerottet werden"

In bestimmten Ausnahmefällen kann geschächtetes Fleisch aus dem Ausland nach Deutschland eingeführt werden. Unter strengen Auflagen ist das Schächten auch in Deutschland möglich, sofern es von sachkundigen Veterinären überwacht wird.

"Seid konsequent!", kontert Michael Wollny, Inhaber eines Edeka-Markts in Friedberg, auf dem Portal Mimikama.

Er erwidert den "Halal"-Gegner in einem Facebook-Kommentar: "Wenn grausamer Umgang mit Tieren ein Argument für euch ist, Supermarktketten zu meiden, dann besucht bitte keine Supermärkte mehr, in denen IRGENDWELCHES Fleisch verkauft wird."


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