WIRTSCHAFT

"Wahrscheinlich krebserregend": Wattestäbchen und -pads mit Glyphosat belastet

09/03/2016 14:11 CET | Aktualisiert 09/03/2016 23:52 CET

Auch das noch: Ohrenstäbchen und Wattepads zahlreicher Anbieter enthalten offenbar in beachtlicher Menge das mutmaßlich krebserregende Pestizid Glyphosat. Zu diesem Ergebnis kam ein internationales Forscher-Team bereits Ende vergangenen Jahres. In dieser Woche bestätigte nun eine Stichprobe deutscher Wissenschaftler diesen alarmierenden Befund.

Das Bremer Labor für Rückstandsanalytik testete im Auftrag des ZDF-Magazins „Wiso“ 31 Hygieneprodukte. Sechs davon waren mit Glyphosat verseucht.

"Die festgestellten Werte sind im Vergleich zu Trinkwasser-Werten als sehr hoch anzusehen", erläuterte Studienleiter Dennis Leupold im Gespräch mit dem Sender.

Die festgestellten Werte liegen zwar unter den zulässigen Grenzwerten für Lebensmittel. Die hier geltenden Höchstgrenzen sind jedoch höchst umstritten. Skandalös: Für Textilien gibt es derzeit nicht einmal Höchstwerte für das Unkrautvernichtungsmittel.

Die Hersteller der Watteprodukte argumentieren jedoch genau damit, dass sie gegen keine Grenzwerte verstoßen. Ende 2015 war eine Forschergruppe EMISA von der argentinischen Universität La Plata jedoch zu einem noch dramatischeren Ergebnis gekommen als ihre deutschen Kollegen.

Sie hatten Wattestäbchen, Tampons, Binden, Wattepads, Pflaster, Verbandsmaterial von dutzenden weltweit führenden Herstellern unter die Lupe genommen. 85 Prozent der untersuchten Produkte waren den Forschern zufolge „Glyphosat-positiv und fast zwei Drittel der getesteten Waren enthielten den Abbaustoff AMPA“.

Der promovierte Toxikologe Peter Clausing weist darauf hin, dass Glyphosat über die Baumwoll-Produkte in den Körper der Verbraucher gelangen könne. Die aufgenommene Menge über die Haut sei eher gering, die über die Schleimhäute höher. Die Behörden sollten das Pestizid nicht weiter zulassen, fordert Clausing.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Glyphosat derweil längst als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Auch das Bundesumweltamt schloss sich zuletzt dieser Einschätzung an und forderte deshalb ein Verbot.

"Verbraucher statt Monsanto schützen"

Die Grünen halten es sogar für gut möglich, dass weltweit viele der Krebserkrankungen der vergangenen Jahre auf Glyphosat zurückgingen. Die Ökopartei fordert anders als das CSU-geführte Bundeslandwirtschaftsministerium ein Verbot.

Man müsse „die Bürger und nicht die Einnahmequellen von Monsanto schützen", sagte Grünen-Verbraucherschutzexpertin Renate Künast in dieser Woche.

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