Die Integration syrischer Ärzte läuft vorbildlich – aber in Syrien würden sie dringend gebraucht

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MEDIZINER
Symbolbild: Syrische Ärtze können gut ins deutsche Gesundheitswesen integriert werden | dpa
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  • Das deutsche Gesundheitswesen empfängt syrische Ärzte mit offenen Armen
  • Die Branche gilt als positives Integrationsbeispiel
  • Die Flucht der Ärzte aus Syrien ist katastrophal für die Menschen dort

Deutschland braucht Ärzte. Bis 2030 fehlen Deutschland rund 110.000 Mediziner, warnte die Bundesärztekammer in einem Bericht 2015.

Aus diesem Grund wirbt Deutschland schon seit Jahren um medizinisches Fachpersonal aus dem Ausland – und versucht, Medizinern die Eingliederung ins System zu leicht wie möglich zu machen.

Elf Prozent der Ärzte stammen aus dem Ausland

Laut der Bundesärztekammer stammten 2014 von rund einer halber Million Ärzte im Land bereits knapp elf Prozent aus dem Ausland - Tendenz steigend. Die meisten der Neuzugänge in diesem Jahr kamen demnach aus Rumänien (403) - knapp gefolgt von Syrien (319).

Ärztemangel führt zu gelungener Integration

Anders als in anderen Ländern kann deshalb ein syrischer Arzt hierzulande auf Basis einer Berufserlaubnis arbeiten - erst mal auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Voraussetzung für die Erlaubnis sind eine Prüfung der Gleichwertigkeit der Qualifikation und eine bestandene Prüfung in deutscher Fachsprache.

Vergleichsweise geringe bürokratische Hürden und eine schnelle, schrittweise Eingliederung in den Arbeitsalltag: Die Integration syrischer Ärzte sollte als Vorbild für andere Branchen gelten.

Syrische Krankenhäuser als Angriffsziel

Experten sehen nur einen Haken. Die Hunderten syrischen Fachkräfte, die in der Krise jedes Jahr nach Deutschland kommen, fehlen in der Praxis nun natürlich ausgerechnet dort, wo medizinische Hilfe am dringendsten gebraucht wird.

Vor der Krise war das Gesundheitswesen in Syrien gut ausgebaut: Laut Daten des syrischen Gesundheitsministeriums zählte das Land damals rund 31.000 Ärzte – mittlerweile ist schätzungsweise die Hälfte der Fachkräfte geflohen, Hunderte wurden getötet.

Dass - wie Millionen andere Syrier - auch immer mehr Ärzte das Land verlassen, ist verständlich. Ihr Leben ist besonders gefährdet: Ein UN-Bericht kritisierte bereits 2013, dass medizinische Einrichtungen vermehrt zum Angriffsziel für diverse Parteien im Syrien-Konflikt wurden - ein Problem, das anhält.

"Zukunft sieht schwarz aus"

Erst Mitte Februar 2016 zerstörten Raketen ein Krankenhaus in der Provinz Idlib, das durch die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt wurde. Besonders umkämpfte Gebiete wie der Großraum Aleppo sollen mittlerweile wie leergefegt von medizinischen Fachkräften sein.

"Die Zukunft des Gesundheitssystems in Syrien sieht schwarz aus", sagte Karl Blanchet, Gesundheitsexperte an der London School of Hygiene & Tropical Medicine im Interview mit "Foreign Policy".

"Syriens Krankenhäuser werden komplett zerstört sein. Und kein Arzt will in einem Krankenhaus arbeiten, in dem er keine Menschen mehr retten kann", so Blanchet.

"Ärzte ohne Grenzen" schätzt die Lage als ähnlich fatal ein. Nur mit "starken Einschränkungen" sei ihre Arbeit in Syrien überhaupt noch möglich. Seit 2014 seien die Menschen in weiten Teilen des Landes außerhalb der Reichweite der Ärzte, heißt es dort weiter.

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit dem Spendenportal Betterplace.org stellt die Huffington Post spannende Projekte vor, die ihr direkt unterstützen könnt:

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