POLITIK
10/03/2016 06:03 CET | Aktualisiert 10/03/2016 07:37 CET

So will ein Münchner Gericht eine Muslima entschleiern

DPA
Eine Muslima weigert sich, vor Gericht den Schleier abzulegen

  • Vor einem Münchner Gericht weigerte sich eine Muslima, die Burka abzulegen

  • Der Richter knickte ein - das löste Proteste aus

  • Jetzt kommt es zu einem Berufungsverfahren. Diesmal soll der Schleier runter

Der Fall schlug deutschlandweit Wellen. Im November weigerte sich eine Muslima vor Gericht in München, ihren Gesichtsschleier abzunehmen - und der Richter knickte ein. In Justizkreisen löste diese Entscheidung Empörung aus.

Jetzt kommt es zu einem Berufungsverfahren - und diesmal soll der Schleier runter. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Man muss dazu sagen: Die Muslima Amira B. war in diesem Fall die Geschädigte. Der Angeklagte in dem Fall soll sie an einer S-Bahn-Haltestelle aufgrund ihrer Verschleierung bedroht und übel beschimpft haben. Ihre Weigerung trug dazu bei, dass er in November vom Amtsrichter freigesprochen wurde.

Doch inzwischen hat man den Eindruck, dass Amira B. die wirkliche Angeklagte in diesem Verfahren ist.

"Ich habe einen Gott der mir Recht geben wird"

Amira B. trug eine Naqib, der nur einen dünnen Sehschlitz für die Augen freilässt. Außerdem verhüllte sie sich in einem langen Mantel und trug Lederhandschuhe. Tatsächlich war kein Zentimeter Haut zu sehen.

Der Richter konnte sie aber nicht dazu bewegen, den Schleier abzunehmen. "Nein, das mache ich nicht", sagte sie, und verwies auf ihre Religion. "Ich habe einen Gott am Ende der Welt, der mir am Ende Recht geben wird."

Schließlich gab der Richter auf. Von Zwangsmaßnahmen wie einem Ordnungsgeld wegen "Missachtung des Gerichts" sah er ab, da sie nicht verhältnismäßig seien. Der Angeklagte wurde schließlich freigesprochen.

Islamischer Gelehrter erlaubt Ablegen des Schleiers vor Gericht

Doch der Staatsanwaltschaft ließ der Fall keine Ruhe. Sie legte gegen den Freispruch Berufung ein - und nun kommt es zu einem neuen Prozess. Am 17. März findet die Berufungsverhandlung statt.

Die Richter befürchten, dass sich die Muslima wieder weigert, ihr Gesicht zu zeigen.Doch diesmal soll der Schleier ab.

Dafür ging die 22. Strafkammer ungewöhnliche Wege. Sie holte sich die Meinung des Islam-Rechtsgelehrten Scheich Abdullah Al Muuslih aus Saudi-Arabien. Der schrieb bereits, dass es erlaubt sein, vor Gerichte bei der Polizei den Schleier abzulegen, um das Verfahren zu ermöglichen. Wenn das nicht klappt, sollen doch Zwangsmaßnahmen verhängt werden.

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