POLITIK
09/03/2016 18:58 CET | Aktualisiert 09/03/2016 20:36 CET

An alle, die für geschlossene Grenzen sind - Seht Euch diese Bilder an

Getty Images
Flüchtlinge in Idomeni

  • Europa riegelt die Balkanroute ab

  • Griechenland will die Flüchtlingscamps am griechisch-mazedonischen Grenzort räumen

  • Viele wollen trotzdem bleiben, selbst wenn sie "sterben"

Seit Mitternacht ist die Balkanroute dicht. Sloweniens Ankündigung, ab Mitternacht keine Flüchtlinge mehr durchreisen zu lassen, sorgt für einen Dominoeffekt.

Serbien und Kroatien riegeln ihre Grenzen seit dem heutigen Dienstag komplett ab. Auch Mazedonien lässt nur noch Menschen mit Visa einreisen.

Für die Flüchtlinge an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien ist nun jede Hoffnung auf ein Durchkommen über die Balkanroute gestorben. Europa lässt sie im Regen stehen.

Dass das nicht die Lösung sein kann, sollten die folgenden Bilder zeigen - und jeder, der noch immer für die Schließung der Grenzen ist, sollte sie sehen.

idomeni

Die griechische Regierung hat indes die Räumung des Flüchtlingslagers in Idomeni angekündigt. Weil über die Grenze nach Mazedonien seit zwei Wochen nur noch wenige gelangen, ist dort eine riesige provisorische Zeltstadt entstanden. Geschätzte 13.000 Menschen, drängen sich gerade an dem Grenzort und sollen von griechischen Sicherheitskräften evakuiert werden.

"Viele Flüchtlinge werden sich nicht freiwillig von hier wegbringen lassen"

"Aber niemand weiß, wie so eine Evakuierung aussehen soll", sagte BR-Reporter Christian Limpert am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin" ein. Die Regierung habe betont, man wolle bei der Räumung keine Gewalt anwenden. Klar sei aber auch, betonte der Journalist: "Viele Flüchtlinge werden nicht freiwillig in die Busse steigen, um sich von hier weg bringen zu lassen."

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Viele der Asylsuchenden an der Grenze würden noch darauf hoffen, über die Balkanroute nach Mitteleuropa zu kommen. Schlamm, Nässe und Nebel beherrschten die Camps in den Morgenstunden. Noch vor wenigen Tagen hatten die Menschen auf die deutsche Kanzlerin gehofft. Rund 200 verzweifelte Flüchtlinge riefen "Mama Merkel!" und hielten eine deutsche Fahne hoch.

Rund ein Drittel der 13.000 Flüchtlingen an der Grenze, die derzeit von Sicherheitskräften evakuiert werden, sind Kinder. Viele von ihnen kamen ohne ihre Eltern nach Griechenland. 4000 Minderjährige aus Afghanistan, Syrien und dem Irak harren derzeit in Idomeni aus. Unter ihnen auch Säuglinge.

Zwar wollte sich die deutsche Kanzlerin beim Sondergipfel dafür einsetzen, die Schließung der Balkanroute zu umgehen. Doch die Balkanländer haben jetzt auf eigene Initiative gehandelt.

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"Wird werden hier bleiben, auch wenn wir sterben", sagt die 25-jährige Kadriya Jasem aus Aleppo. Sie hält ein vier Monate altes Baby in den Armen. Das Kind brauche einen Arzt, sagt sie. So beschreibt ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters das Bild am Grenzort, wenige Stunden nachdem in Brüssel die EU-Verhandlungen zur Flüchtlingsfrage zu Ende gegangen sind. "Bitte öffnen Sie die Grenze! Wenn auch nur für die Kinder", ruft Kadriya.

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Auch die Frau auf dem Foto hatte mit ihrem Kind auf dem Schoß auf eine Öffnung der Grenzen gewartet - vergebens. Nach der Entscheidung der griechischen Regierung wird ihre Familie nun aus dem Camp evakuiert. Grund für den Beschluss sind die katastrophalen Zustände in dem Lager an der mazedonischen Grenze.

4000 Kinder aus Afghanistan, Syrien und dem Irak

Ärzte und Hilfsorganisationen hatten bereits seit längerem Alarm geschlagen, an der griechisch-mazedonischen Grenze herrschen desaströse humanitäre Zustände. Nach Informationen des ARD-"Morgenmagazins" haben sich längst Krankheiten in den Lagern ausgebreitet. Erkältung und Lungenentzündungen machen sich breit.

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Das Problem in Idomeni: Das Lager unmittelbar an der Grenze zu Mazedonien war ursprünglich als Übergangsstation gedacht. In den wetterfesten Großzelten des UN-Hilfswerks UNHCR haben 2400 Menschen Platz. Doch Mazedonien hatte seit zwei Wochen nur sehr wenige Flüchtlinge durchgelassen, seit Montag kommen gar keine mehr durch.

Camps sollten nur Übergangslösung sein

Zum Teil setzten mazedonische Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die Menschen von der Einreise abzuhalten. Viele Asylsuchende protestierten, einige Gruppen blockierten die Gleise um ihren Unmut Kund zu tun.

Griechenland verteidigt Maßnahme

Wohin die Flüchtlinge verlegt werden könnten, ist bisher nicht geklärt. Im Gespräch sind Hotspots in der Nähe Idomenis. "Es ist doch im eigenen Interesse der Migranten, in geeignete Einrichtungen umzuziehen. Wir werden bei der Räumung behutsam vorgehen, aber wir werden allen auch sehr deutlich sagen, dass es für sie bis auf weiteres keine Möglichkeit gibt, die Grenze zu überqueren. Hier zu bleiben, macht doch keinen Sinn“, sagte ein griechischer Regierungssprecher gegenüber „Spiegel Online“.

Viele Migranten setzten ihre letzte Hoffnung in den EU-Türkei-Gipfel. Der erwartete Durchbruch in der Regelung der europäischen Asylfrage kam jedoch nicht zustande. Die Aussichten auf ein Weiterkommen werden mit jedem Tag schlechter.

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Mit Material der dpa

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