WIRTSCHAFT
07/03/2016 12:49 CET | Aktualisiert 07/03/2016 12:53 CET

„Wir werden keine falschen Kompromisse eingehen" - Bei BMW und Daimler bekommt die IG Metall Konkurrenz

Bloomberg via Getty Images
A BMW i3 plug-in automobile, produced by Bayerische Motoren Werke AG, sits outside the BMW World showroom as the automaker's headquarter towers stand beyond in Munich, Germany, on Tuesday, Jan. 26, 2016. BMW is at risk of losing its lead in the luxury car market this year to Mercedes-Benz after reporting the slowest sales growth since 2009 while its German arch-rival charged ahead with a fresher lineup and surging demand in China. Photographer: Martin Leissl/Bloomberg via Getty Images

  • Eine VIP-Jubiläumsfeier sorgt unter Teilen der BMW-Belegschaft für Unmut

Ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum droht BMW Ärger mit einer neuen Gewerkschaft. Der Münchner Betriebsrats-Rebell Murat Yilmaz hat nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche eine Arbeitnehmerbewegung namens „Social Peace“ gegründet.

Gut 700 BMW-Mitarbeiter des Münchner Stammwerks hätten ihren Mitgliederantrag bereits unterzeichnet, so Yilmaz im Gespräch mit der Huffington Post. Damit hat die Gewerkschaft nach eigenen Angaben bereits rund jeden zehnten Arbeiter im Stammwerk hinter sich geschart. Auch bei Daimler hat "Social Peace" nach eigener Darstellung bereits regen Zulauf.

Als Spitze der Organisation, die sich bei den beiden Autobauern als Alternative zur bislang dominanten IG Metall etablieren will, steht neben dem 44-jährigen Yilmaz der Ex-Kanzleramts-Berater Christian Lange (58). „Wir werden anders als die IG Metall keine falschen Kompromisse eingehen“, sagt Yilmaz. Es könne nicht sein, „dass BMW Rekordgewinne einfährt, doch bei den Mitarbeitern gespart wird.“

Gegen Leiharbeit und Werkverträge

Yilmaz setzt sich mit seiner Betriebsratsliste schon seit längerem für eine Absenkung der bei BMW im Vergleich zu anderen Unternehmen hohen Zahl an Leiharbeitern ein. Der Münchner Premiumhersteller hält die Zeitarbeitsquote in seinen Werken traditionell geheim. Sie lag nach Informationen der Huffington Post zuletzt jedoch deutlich über der von anderen deutschen Autobauern.

„Social Peace“ will sich nach eigenen Angaben aber nicht nur für die Interessen der Band-, sondern auch für die Facharbeiter einsetzen. Neben einer Reduzierung der Werkverträge fordern Lange und Yilmaz ein höheres Weihnachtsgeld für die Belegschaft.

Yilmaz hatte im vergangenen Herbst „schwarze Kassen“ in der Hand von BMW-Betriebsräten angeprangert. In der Folge wurde der Deutsch-Türke im Werk rassistisch beschimpft und bekam nach eigener Aussage sogar anonyme Morddrohungen.

Ex-Betriebsrat Lange, der bei BMW in der Vergangenheit unter anderem für das Nachhaltigkeitsmanagement mitverantwortlich war, sagt: „Wir dulden keine Diskriminierung muslimischer Kollegen und Andersdenkender.“ Man wolle „keine Angstkultur wie bei VW“.

„Social Peace“ will sich auch in anderen BMW-Standorten und anderen Autobauern engagieren. Im Sindlfinger Daimler-Werk haben nach Gewerkschaftsangaben bereits 2000 Mitarbeiter ihre Aufnahmeanträge unterschrieben.

BMW feiert an diesem Montag offiziell sein 100-jähriges Jubiläum. Für 2000 Promi-Gäste hat der Konzern die Olympiahalle angemietet. Es lockt ein Nobel-Büffet von Käfer.

Für die tausenden Angestellten des Autobauers werden die Reden der BMW-Granden und prominenten Gäste dagegen in die Allianz-Arena übertragen. Sie bekommen einfache Gerichte wie Currywurst.

Currywurst statt Champagner

Yilmaz spricht deshalb von einem „skandalösen Zwei-Klassen-Jubiläum“. Lange glaubt sogar, dass manche Arbeiter deshalb das Jubiläum boykottieren würden. BMW weist die Kritik von manchen Arbeitnehmervertretern zurück.

Tatsächlich gibt es auch in der Allianz-Arena für alle Gäste eine Party. Es lockt ein dreieinhalb stündiges Musik-Programm, darunter ein Live-Auftritt von Andreas Bourani. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zu den VIPs in der Halle genauso nur per Video-Botschaft wie zu den Arbeitern in der Arena: Sie ist heute beim EU-Gipfel.

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