Darum ist der Wahlerfolg der AfD in Hessen wirklich so gefährlich

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  • Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder: "Aufstieg der AfD könnte weitergehen"
  • Die AfD sei nicht mit anderen rechten Parteien vergleichbar

Nach den starken Wahlergebnissen der AfD in Hessen wächst bei den Parteien und Bürgern die Sorge um einen landesweiten Rechtsruck.

Auch Wolfgang Schroeder, Politikwissenschaftler an der Universität Kassel, hält ein weiteres Erstarken der AfD im Hinblick auf die Landtagswahlen am Sonntag für möglich. Die AfD sei nicht mit anderen rechten Parteien vergleichbar, die in der Vergangenheit kurzfristige Erfolge erzielen konnten.

Der Huffington Post sagte Schroeder: "Das gute Wahlergebnis der AfD in Hessen ist vor allem auf einen Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zurückzuführen. Das gute Abschneiden artikuliert aber auch ein Unbehagen an den sozialen und kulturellen Verhältnissen in unserem Land."

Und das, so sagt Schroeder, unterscheide die AfD von anderen rechten Parteien wie den Republikanern, der DVU oder der NPD. Die AfD reiche mit ihrem Protest in die Mitte der Gesellschaft und artikuliere auch deren Ängste vor der Globalisierung. Deshalb könnte die AfD auch eine politische Kraft in Deutschland bleiben, wenn die Diskussion um die Flüchtlingskrise abgeflaut ist.

Sie wissen, wie man Politik macht

In der AfD seien neben dubiosen Persönlichkeiten aus dem rechten und rechtspopulitischen Bereich auch ehemalige CDU-Bürgermeister und Abgeordnete, die sich von der CDU nicht mehr repräsentiert fühlen, erklärt der Politologe.

"Diese Politiker aus der bürgerlichen Mitte kennen das politische System, sie wissen wie man Politik macht. Sie können Kompromisse eingehen", sagt Schroeder. Die AfD sei deshalb auch perspektivisch anders zu bewerten als andere radikale Parteien, die nur von der Ablehnung lebten.

Für die kommenden Landtagswahlen am 13. März hält Schroeder ein weiteres Erstarken der AfD für möglich. Denn der Erfolg der Partei in Hessen könnte zu einer "Enttabuisierung" der Partei bei unzufriedenen Wählern führen, sagt er.

Im Gegensatz zu anderen Konstellationen könne das Angebot der AfD für manche Wähler aus der Mitte überzeugender sein als die NPD, DVU oder die Republikaner. Gemessen an dem fremdenfeindlichen Potential in der Bevölkerung verwundert das Ergebnis der AfD nicht.

Wichtig sei es deshalb, dass die etablierten Parteien die Wahl in Hessen als Weckruf verstehen. Dass sie die Wähler anders ansprechen und begeistern. Denn eines sei sicher: "Wenn die Wahlbeteiligung so gering bleibt, dann wird der Aufstieg der AfD weitergehen."

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