WIRTSCHAFT
05/03/2016 10:17 CET | Aktualisiert 05/03/2016 15:26 CET

Schockierende Studie: Wie Krankenhäuser bei Kaiserschnitten abkassieren

Tara Moore via Getty Images
Die Kaiserschnittrate hat sich auf hohem Niveau eingependelt

  • Eine neue Studie zeigt, dass die Kliniken vor allem kassieren wollen

Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist in den letzten 15 Jahren stark gestiegen: Während im Jahr 2000 noch rund 21,5 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, lag dieser Prozentsatz 2014 bereits bei 31,8 Prozent.

Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Eine bedenkliche Entwicklung: Aktuelle Studien, über die die Huffington Post berichtete, zeigen, dass der Eingriff lebenslange Folgen für die Gesundheit eines Menschen haben kann.

Warum der Anteil der Kaiserschnitt-Geburten insgesamt so stieg, ergab sich aus dieser Studie nicht. Andere Untersuchungen listeten hier unter anderem auf, dass Ärzte und Hebammen aus Angst vor Komplikationen und entsprechenden Haftungsproblemen lieber operieren als die natürliche Geburt begleiten.

"Wirtschaftlicher Anreiz ausschlaggebend"

Wie stark wirtschaftliche Motive für die Kliniken eine Rolle spielen, zeigt das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) der TK: Demnach gibt es jetzt wesentlich mehr Notfall-Kaiserschnitte als geplante im Vergleich zu früher.

Die Experten führen diesen Anstieg zumindest zum Teil auf eine neue Regelung der gesetzlichen Krankenkassen aus dem Jahr 2009 zurück. Diese Neuregelung ermöglichte es Kliniken, Notfall-Kaiserschnitte fortan zu einem höheren Preis abrechnen zu können, als geplante Kaiserschnitte. Die Studie belegte, dass sich genau zu diesem Zeitpunkt die Rate der ungeplanten Notfall-Kaiserschnitte deutlich erhöhte.

Vor 2009 hätten sich ungeplante und geplante OPs bei Kaiserschnitt-Geburten durchgängig die Waage gehalten, so die Studie. 2014 soll das Verhältnis dann aber bereits bei 56 zu 44 Prozent gelegen haben.

"Hier ist der wirtschaftliche Anreiz offenbar ausschlaggebend", erklärte Frank Verheyen, Direktor des WINEG. Eine durchschnittliche, ungeplante Kaiserschnitt-Geburt kann aktuell mit fast 3400 Euro abgerechnet werden, eine vergleichbare geplante OP dagegen mit knapp 2700 Euro.

"Verlust in Millionenhöhe"

Könnten andere Faktoren eine Rolle bei diesem Anstieg gespielt haben? Auch das scheint die Studie auszuschließen. "Im Zuge unserer Untersuchung konnten keine weiteren Faktoren identifiziert werden, die den Anstieg bei ungeplanten Kaiserschnitten begründen", erläuterte Verheyen weiter.

Aufgrund dieses Anstiegs der Notfall-Kaiserschnitte seien der TK und damit letztlich der Versichertengemeinschaft seit der Vergütungsumstellung Mehrkosten in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro entstanden.

Mit Material von dpa

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