POLITIK
04/03/2016 19:59 CET

"Leitbild für alle Humanisten": Özdemir fordert zweite Chance für Beck

Getty Images

  • Özdemir will seinem Parteifreund Volker Beck eine zweite Chance geben

  • "Eine Rehabilitierung" Becks in der Bundespolitik hält der Grünen-Chef für möglich

  • Die Menschen sollten eher darüber diskutieren, warum jemand zu leistungsteigernden Drogen greift

Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hält es für möglich, dass die Drogenaffäre seines Parteifreunds Volker Beck nicht das Ende seiner Karriere im Bundestag bedeutet. Im Gespräch mit der "FAZ" plädierte Özdemir dafür, dem Grünen-Politiker nach den Drogenvorwürfen nicht vorschnell zu verurteilen.

"Ich komme zwar aus einer muslimischen Familie, aber ich habe gelernt, dass es ein Teil des christlichen Menschenbildes ist, dass man Menschen nicht nur eine zweite, sondern auch eine dritte und vierte Chance geben muss", sagt Özdemir. Das, erklärte er weiter, sollte das "Leitbild für alle Humanisten" sein.

Özdemir will staatsanwaltliche Ermittlungen abwarten

Inzwischen hat die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigt, dass bei Beck 0,6 Gramm einer "betäubungsmittelverdächtigen Substanz" gefunden wurden. Gegenüber Medienvertretern hatte Özdemir zuvor begrüßt, dass Beck seine Fraktionsämter zur Verfügung gestellt hatte.

In der Frage eines möglichen Mandatsverzichts Becks, plädierte Özdemir gegenüber der "FAZ" dafür, die "staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen" abzuwarten.

Die Frage ist: Warum nehmen Menschen leistungssteigernde Drogen?

Der Fall Beck sei aus Sicht des Grünen-Chefs ein Anlass darüber nachzudenken, "warum immer mehr Menschen zu solchen leistungssteigernden Drogen greifen, nicht nur in der Politik". Das sei ein "Alarmsignal für uns alle".

Durch den Fall Beck sehe er aber keine Notwendigkeit, die liberale Drogenpolitik der Grünen zu korrigieren: "Unsere Haltung ist glasklar: Crystal Meth ist eine harte und gefährliche Droge, die zu Recht verboten ist." Diejenigen, die diese Droge nutzten, benötigten Hilfe. "Und wer mit ihr handelt und sie verkauft, muss bestraft werden."

Anders bei weichen Drogen wie Cannabis. Hier würden die Grünen weiter eine Gleichbehandlung mit Alkohol fordern, sagt Özdemir: "Wir glauben, dass wir den Missbrauch durch eine Entkriminalisierung in den Griff bekommen." Die unterschiedlichen Drogenszenen müssten voneinander getrennt werden.

Mit Material der dpa

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