WIRTSCHAFT
03/03/2016 15:06 CET | Aktualisiert 03/03/2016 15:47 CET

"Verdummung der Wähler": Trigema-Chef Wolfgang Grupp attackiert die CDU

dpa

  • Trigema-Chef Grupp attackiert Merkels Flüchtlingspolitik

  • "Ich betrachte das als Verdummung der Wähler", sagt er

  • Der Lösungsvorschlag Grupps zur Krise wird indes nur wenigen gefallen

Keine Experimente. Lange war das die Devise des Trigema-Chefs und treuen CDU-Wählers Wolfgang Grupp. Jetzt aber reicht es dem Eigentümer der Bekleidungsfirma mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin.

„Ich wähle zum ersten Mal in meinem Leben Grün“, schreibt der Unternehmer aus dem schwäbischen Burladingen in einem Gastbeitrag für die Online-Ausgabe der "WirtschaftsWoche".

Seine Stimme schulde er diesmal Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen, weil dieser seine Aufgaben „sehr gut“ gemacht habe.

"Verdummung der Wähler"

Viele CDU-Mitglieder hätten sich gegen das "Wir schaffen das"-Mantra der Kanzlerin gewendet. Umso überraschter sei der Trigema-Chef gewesen, als sich auf dem jüngsten CDU-Parteitag alle hinter Merkel gestellt haben. Schließlich gehe der Streit hinter den Kulissen der Partei weiter.

In Grupps Augen führe die CDU ihre Wähler so an der Nase herum. Dem Auftreten der Partei erteilt der Unternehmer dafür eine harte Schelte: "Ich betrachte das als Verdummung der Wähler".

"Gravierend gestört und geärgert" habe ihn zudem die Tatsache, dass Merkel ihren Willkommensgruß nicht eingeschränkt habe, um anderen europäischen Staaten an der Seite Deutschlands zu halten.

Es möge zwar sein, dass Merkel es ernst meinte mit ihrem Mitleid und sich zurecht verantwortlich fühlte für die Flüchtlinge, holt der Trigema-Chef aus: "Doch den Willkommensgruß verstanden zugleich auch viele als Einladung, die nur der wirtschaftlichen Not fliehen wollten."

Das Problem: Die Wirtschaftsflüchtlinge

Grupps Lösungsvorschlag kommt simpel daher. Deutschland hätte einfach deutlich machen sollen, keine Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen. "Auch uns Deutschen und Europäern sind Grenzen gesetzt, wir sind diesem Ansturm nicht gewachsen, wir nehmen keine Wirtschaftsflüchtlinge."

Diesen Satz hätte Merkel in die Welt schicken können, schreibt der Trigema-Chef. Ihr Gesicht hätte Merkel damit nicht verloren, ist Grupp überzeugt.

Ob Europa dann auch die aktuellen Bilder von der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien erspart geblieben wären? Der Baden-Württemberger ist sich sicher: "Unsere europäischen Nachbarn hätten sich wahrscheinlich solidarisch gezeigt."

"CDU-Wähler lassen sich nicht an der Nase herumführen"

Der Unternehmer ist nicht der einzige Konservative, der gegen den Merkel-Kurs Sturm läuft. So attestierte der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter gegenüber der Huffington Post ein "Totalversagen der politischen Eliten". "Aktionismus", "illiberale Politik", ja sogar von einer "Entmündigung der Bürger" sprechen die Gegner angesichts der aktuellen deutschen Flüchtlingspolitik.

"Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung", rechnet der Philosoph Peter Sloterdijk mit Merkel ab. Jetzt eröffnet Grupp, der sich selbst zu den traditionellen und konstanten CDU-Wähler zählt, das Feuer gegen die Partei.

"Die Verantwortlichen in der CDU müssen zu spüren bekommen, dass der anständige, einfache und gewiss nicht dumme CDU-Wähler sich in dieser Form nicht an der Nase herum führen lässt."

Protest aus Kalkül

Dass hinter seinem Protest auch Kalkül steckt, daraus macht der Trigema-Chef kein Geheimnis. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg sei es auch aus wahltaktischen Gründen für die CDU gut, wenn Wähler sich für Kretschmann entscheiden, schreibt der Unternehmer.

"Denn dann besteht für die CDU in der nächsten Legislaturperiode die Chance, wieder zu den Regierungsparteien zu gehören."

Würde die CDU stärker aus der Wahl hervorgehen als die Grünen, erläutert Grupp, würde deren Vorsitzender Kretschmann verständlicherweise keine Koalition und Regierung unter einem CDU-Ministerpräsidenten eingehen.

Für den Trigema-Chef hätte das eine weitaus schlimmere Konsequenz: "Denn droht uns möglicherweise eine grün-rot-gelbe Koalition ohne die CDU."

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