POLITIK
03/03/2016 07:17 CET | Aktualisiert 03/03/2016 07:19 CET

Schweinefleisch-Debatte: Wie die CDU mit dem Spott umgeht

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Schweinefleisch-Debatte: Wie die CDU mit dem Spott umgeht

  • Die CDU in Schleswig-Holstein möchte, dass Schweinefleisch weiter in Kitas angeboten wird
  • Die Partei stellt klar, dass es hier nicht um eine Ernährungsfrage geht, sondern um Integration

Die CDU in Schleswig-Holstein will per Antrag im Landtag erreichen, dass Schweinefleisch nicht von Speiseplänen in Kitas gestrichen wird. CDU-Landtagsfraktionschef Daniel Günther sagte im Interview mit der „Welt“ von diesem Donnerstag, ihr sei bewusst gewesen, dass das „Stoff für spöttische Berichterstattung“ liefere. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er ebenfalls, er könne mit dem Spott gut leben.

"Eine Sauerei"

Da hat die CDU ja Schwein gehabt. Denn Spott gab und gibt es reichlich. So kommentierte zum Beispiel die „Rhein-Neckar-Zeitung“ aus Heidelberg: „Unser Schweinefleisch bleibt in den Kantinen, poltern ausgerechnet die ,Fischköppe’ im hohen Norden. Vollkommen zurecht werden die Konservativen dafür durch den kommentatorischen Fleischwolf gedreht.“ Denn anders als der Vorstoß zum Veggie-Day der Grünen 2013 richte sich der CDU-Vorstoß gegen eine religiöse Minderheit. „Dass eine demokratische Volkspartei sich dazu herablässt: eine Sauerei.“

Und SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte am Dienstag in Stuttgart: „Ich hab so'nen Quatsch noch nicht gehört. Man muss auch aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert, das wäre mein Rat.“

"Wenn es sich nicht rechnet, ist das okay"

Tatsächlich zeigen die Kommentare und auch die neuen Ausführungen der CDU, dass es eben nicht um eine Ernährungsempfehlung geht. Es werde ohnehin zu viel Fleisch gegessen, findet Günther.

Es geht auch nicht um die praktische Frage, ob eine Kita es sich finanziell und organisatorisch leisten kann und soll, gegebenenfalls mehrere Gerichte anzubieten. „Wenn eine Kantine sagt, es rechnet sich für uns einfach nicht, an diesem oder jenem Tag auch Schweinefleisch anzubieten, dann ist das völlig okay“, sagte Günther.

Es geht ums Prinzip

Es geht um Grundsätzliches. Um den Umgang mit Religion im öffentlichen Raum. Um Integration.

Günther sagte der „Welt“ denn auch: „Im Kern unseres Antrages geht es um erfolgreiche Integration. Die funktioniert nämlich garantiert nicht, wenn sich die Mehrheit quasi im vorauseilenden Gehorsam der Minderheit anpasst.“

Die CDU halte es für falsch, „unsere Traditionen gerade angesichts der aktuellen Diskussionen infrage zu stellen. Und zu unseren Traditionen gehört nun einmal auch, Schweinefleisch zu essen.“

In Schleswig-Holstein haben verschiedene Kitas Schweinefleisch vom Speiseplan gestrichen, weil Muslime dies nicht essen dürfen. In Norderstedt gilt die Regelung laut Medienberichten in allen städtischen Kitas. Der CDU-Vorstoß, dies zu ändern, war der Partei zunächst als Schweinefleisch-Pflicht ausgelegt worden.

Mit Material von dpa

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