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15-jährige IS-Anhängerin stach Polizisten in Hannover nieder

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SAFIA
Die Gymnasiastin in einem Propaganda-Video von Pierre Vogel | Youtube
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  • In Hannover hat eine 15-Jährige einen Polizisten niedergestochen
  • Die Polizei prüft einen islamistischen Hintergrund der Tat
  • Das Mädchen steht mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel in Kontakt

Die Polizei ist fassungslos. Ohne erkennbaren Grund stach eine 15-jährige Gymnasiastin mit marokkanischen Wurzeln am vergangenen Freitag im Hannover Hauptbahnhof einen Polizisten nieder. Der Mann überlebte schwer verletzt.

Gestern bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass ein islamistischer Hintergrund der Tat geprüft wird. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, will sich vorsichtig ausdrücken. "Bei einem 15-jährigen Mädchen schreibt das Gesetz uns vor, zu ihrem Schutz so wenig wie möglich nach außen dringen zu lassen", sagt er dem "NDR".

"Sie verfolgte die Beamten mit starrem Blick"

Eine psychische Erkrankung werde ebenso in Betracht gezogen wie eine spontane oder eben eine politisch-religiös motivierte Tat. Dass eine radikale islamistische Einstellung eine Rolle gespielt hat, ist allerdings unübersehbar.

Das Mädchen war in der Hannoveraner Salafisten-Szene bekannt und soll in die Türkei gereist sein, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen.

Die Gymnasiastin Safia S. war am vergangenen Freitag zwei Bundespolizisten im Hauptbahnhof Hannover aufgefallen. Ein Polizeisprecher sagt der "Bild": "Sie hat die Beamten im Bahnhof mit starrem Blick verfolgt. Das ist auf dem Überwachungsvideo zu sehen. Deshalb entschlossen sich die Kollegen, sie zu kontrollieren."

Das Mädchen übergab zuerst ihre Personalien. "Als der Beamte sich leicht zur Seite drehte, stach sie mit dem Messer in der rechten Hand blitzschnell zu. Der Kollege hatte keine Chance zur Gegenwehr, das war ganz gezielt."

"Ihre einzige Sorge war, dass ihr Kopftuch verrutscht"

Nach Informationen der "Welt" soll sie das Messer plötzlich aus dem Jackenärmel gezogen haben. Bei der Festnahme wurde ein zweites, längeres Messer bei ihr gefunden.

"Sie wirkte eiskalt. Ihre einzige Sorge war, dass ihr Kopftuch verrutscht. Sie wollte es nach der Festnahme unbedingt wieder richtig aufsetzen. Ob der Beamte überlebt, war ihr egal", sagte der Polizeisprecher der "Bild".

Safia S. ist in Islamisten-Kreisen in Hannover bekannt. Sie besuchte nach Angaben von "Bild" regelmäßig die Moschee des Deutschsprachigen Islamkreis Hannover e. V., der vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Unter Druck geraten dürfte durch ihre Tat auch der salafistische Prediger Pierre Vogel. Er präsentierte das Mädchen in zahlreichen Videos auf Youtube als junge Vorzeige-Muslimin. Die Filme entstanden in den Jahren 2008 bis 2011 und tragen Titel wie "Neues von Schwester Safia".

Ihre Mutter holte sie vom IS zurück

In einem Video erklärt Vogel seien Zuhörern, wie wichtig es sei, schon Kleinkinder zur Keuschheit zu erziehen. Er lobt das Mädchen, da es schon mit damals sieben Jahren ein Kopftuch getragen habe: "Dann bist die erste, die mit Kopftuch in die Schule geht." Er fragt sie: "Macht denn deine Lehrerin Theater?"

Später radikalisierte sich das Mädchen offenbar weiter. Nach Angaben der "Hannoverschen Allgemeinen" sei das Mädchen der Polizei bereits wegen Diebstahls und Körperverletzungen aktenkundig gewesen. Nach "Bild"-Angaben soll im November 2014 der Staatsschutz wegen Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat gegen sie ermittelt haben.

Im Januar 2016 reiste Safia allein nach Istanbul. Ihre Mutter reiste ihr hinterher, traf sie in Istanbul und holte sie zurück. Der "Bild"-Zeitung sagte die Mutter: "Als sie nach Istanbul flog, hatte ich sofort Angst, dass sie nach Syrien zu ISIS will."

Ihr Bruder Saleh sitzt derzeit in der Türkei im Gefängnis. Er wurde verhaftet, weil er sich dem Islamischen Staat anschließen wollte.

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