WIRTSCHAFT
03/03/2016 10:11 CET | Aktualisiert 03/03/2016 11:29 CET

Lebensmittelausgabe bei der Tafel reduziert - wegen Flüchtlingsandrang

dpa
Migranten kommen auch zur Tafel - doch die Waren werden nicht mehr

  • Lebensmittel bei Tafeln werden knapp
  • Neben Armen nutzen auch Migranten das Angebot
  • Asylbewerber in Deutschland nehmen zunehmend das Angebot der Tafeln mit kostenlosen Lebensmitteln für Hilfsbedürftige in Anspruch. "Wir beobachten flächendeckend große Nachfrage", berichtet der Bundesverband Deutsche Tafel.

    Bundesweit geht der Verband von 1,5 Millionen regelmäßigen Besuchern aus. Inzwischen kämen etwa 250.000 Flüchtlinge hinzu - den Tafeln zufolge mit wachsender Tendenz. Bereits im November hat die Huffington Post über die Problematik geschrieben.

    Denn: Der Zulauf hat Folgen. Die 60.000 Ehrenamtlichen, die gespendete Lebensmittel - etwa von Supermärkten - verteilen, bemerkten eine größere Belastung durch die Flüchtlinge, sagt Ernährungssoziologin Jana Rückert-John.

    "Es kommt zu Spannungen, weil nun auch vermehrt Migranten die Einrichtungen aufsuchen", sagt die Professorin der Hochschule Fulda.

    Wer hat Vorrang bei der Tafel?

    Unter den Bedürftigen komme die Frage auf, wer Vorrang bei der Verpflegung durch die Tafeln haben solle. Rückert-John ist Vorsitzende des Netzwerks für Ernährungskultur, das am Donnerstag im hessischen Fulda ein Symposium zur Situation der Verpflegung von Migranten in Deutschland veranstaltet.

    Da das Warenangebot nicht wachse, gebe es für den Einzelnen nun weniger, sagt Tafel-Sprecherin Stefanie Bresgott. "Wir versuchen bei allen Beteiligten, um Verständnis zu werben. Aber es gibt auch Spannungen. Konflikte treten auf."

    Denn manchmal ist der Mangel an Lebensmittel zu groß: In Hessen und Rheinland-Pfalz mussten deshalb vergangenes Jahr zahlreiche Tafeln bereits sämtliche Neukunden wieder wegschicken - nicht zuletzt wegen des Flüchtlingsandrangs, wie die Huffington Post im November berichtete.

    Flüchtlinge erhalten auch gutes Essen abseits der Tafel

    Verbandschef Jochen Brühl verlangt jetzt Unterstützung von der Politik. "Wir fordern die Bundesregierung auf, den Tafeln projektbezogen Finanzierungshilfe zu gewährleisten, um Dolmetscher, Flüchtlingsbetreuer, Koordinatoren zur lokalen Vernetzung mit den Kommunen oder Integrationshelfer beschäftigten zu können."

    Professorin Rückert-John bewertet die Verpflegung für Flüchtlinge in Deutschland abseits der Tafeln, zum Beispiel in den Unterkünften, als qualitativ gut. "Große Caterer, die den Zuschlag von Kommunen bekommen, haben die Flüchtlingsverpflegung als lukratives Geschäft entdeckt." Sie bekämen einen Tagessatz zwischen zehn und 16 Euro pro Person.

    Die Tafeln unterstützen an mehr als 3000 Ausgabe-Standorten in Deutschland Bedürftige mit gespendeten Lebensmitteln.

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