POLITIK

Das trauen sich viele nicht: So reagiert ein Dorf in Sachsen auf 60 männliche Flüchtlinge

03/03/2016 16:30 CET | Aktualisiert 03/03/2016 17:44 CET

Brennende Asylbewerberheime, grölende Dorfbewohner, verängstigte Flüchtlinge - die Meldungen der vergangenen Monate haben Sachsen in ein negatives Licht gerückt.

Doch nach den vielen besorgniserregenden Schlagzeilen um die jüngsten fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen beweisen die Bewohner des kleinen Dorfes Wiederau in Mittelsachsen, dass es auch ganz anders geht.

Seit Dezember leben in einem Camp in Wiederau 60 junge Männer aus dem Irak, dem Iran, Syrien und Afghanistan. Laut einem Bericht der “Sächsischen Zeitung” gab es auch dort zunächst Proteste gegen die Unterkunft.

Camp ist zum Treffpunkt geworden

Inzwischen aber wollen die Bewohner die Flüchtlinge gar nicht mehr gehen lassen. Das Camp sei zu einem Treffpunkt zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen geworden, schreibt die Zeitung. Bürger des Ortes verbrächten die Abende mit Asylbewerbern am Biertisch, tauschten sich aus, lernten sich kennen.

Jeder im Camp hat laut dem Zeitungsbericht inzwischen einen Paten. Studenten und Rentner organisieren Deutschunterricht für die Flüchtlinge.

Der Landrat aber wollte der neu entstandenen Gemeinschaft ein jähes Ende setzen. Er kündigte an, die jungen Männer in einen anderen Ort verlegen zu wollen - aus wirtschaftlichen Gründen, wie es laut “SZ” hieß. Die Heizkosten in dem Camp seien zu hoch.

Bürgermeister spricht von "menschlichem Desaster"

Nicht nur die Flüchtlinge waren entsetzt über die Verlegungspläne - auch die Bewohner von Wiederau wehrten sich gegen die Entscheidung. Der Bürgermeister des Ortes, Johannes Voigt (CDU), sagte der Zeitung, sollten die Männer verlegt werden, wäre das ein “menschliches Desaster”.

Gemeinsam protestierten Flüchtlinge und Dorfbewohner gegen die Verlegung - mit Erfolg: Die 60 jungen Männer dürfen bleiben. Das erste Stückchen Heimatgefühl für die Neuankömmlinge dürfte somit geschaffen sein. Sich in Sachsen als Fremder willkommen fühlen geht eben doch.

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