POLITIK

"Kommen Sie nicht nach Europa": EU richtet sich mit dramatischem Appell an Flüchtlinge

03/03/2016 15:30 CET | Aktualisiert 12/01/2017 18:44 CET

  • Kein Ende des Flüchtlingsdramas in Griechenland

  • Migranten harren weiter an der Grenze zu Mazedonien aus

  • Die EU ruft die Migranten auf: Kommt nicht nach Europa

Es sind Worte, die bis nach Syrien, Irak und Afhganistan durchdringen sollen:

"Ich appelliere an alle potenziellen illegalen Wirtschaftsmigranten - egal woher sie stammen: Kommen Sie nicht nach Europa. Glauben Sie nicht den Schmugglern. Riskieren Sie ihr Leben und ihr Geld nicht."

Der Satz stammt von EU-Ratspräsident Donald Tusk - und man kann ihn als eine Art politischen Hilferuf verstehen. Der "Prozess des Durchwinkens" werde aufhören, sagte Tusk am Donnerstag nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras in Athen."

Er hätte auch sagen können: Das Durchwinken muss endlich aufhören - sonst zerfällt die EU von innen.

Auf der griechischen Seite der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni kommt es seit Tagen zu Protesten: Unzufriedene Flüchtlinge und Migranten legten am Donnerstag den Eisenbahnverkehr lahm.

Ärzte warnen vor Krankheiten bei den Flüchtlingen

Humanitäre Organisationen warnen mittlerweile vor einer dramatischen Lage. Viele Menschen seien erkältet, darunter viele Kinder. Es bestehe die Gefahr, dass es zu Lungenentzündungen komme, sagten Ärzte im griechischen Rundfunk.

Migranten errichteten diese Woche ein symbolisches Kindergrab mit der Aufschrift "Unsere Kinder sind nicht durch Bomben, sondern durch die Kälte hier gestorben", berichtete das griechische Fernsehen.

Auch in Athen und in Piräus dauerte das Flüchtlingsdrama an. Am Donnerstag kamen etwa 1000 Migranten aus der Inseln in der Hafenstadt Piräus an. Die Aufnahmelager sind überfüllt.

Neue Lager werden in Nordgriechenland gebaut. Insgesamt rechnet Athen mit bis zu 150.000 Menschen, die in Griechenland in den kommenden Wochen stecken bleiben werden.

11.000 Menschen harren an der Grenze aus

Die mazedonische Polizei ließ am Mittwoch und Donnerstag insgesamt 510 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak aus Griechenland einreisen. An der Grenze harren mehr als 11.000 Menschen aus.

Der Flüchtlings- und Migrantenzustrom dauerte an. Allein am Mittwoch waren mehr als 2000 Migranten neu nach Griechenland gekommen, wie das Innenministerium in Athen am Donnerstag mitteilte.

Tsipras kritisierte die Weigerung einiger EU-Staaten, an der beschlossenen Umsiedlung von Flüchtlingen teilzunehmen. Zudem verurteilte er die willkürliche Schließung der Grenzen einiger EU-Staaten.

Beim EU-Türkei-Gipfel am Montag in Brüssel werde Griechenland Sanktionen gegen diejenigen EU-Staaten fordern, die die Beschlüsse der EU nicht in die Tat umsetzen.

"Griechenland wird auf keinen Fall ein Lager für verlorene Seelen werden", sagte Tsipras. Er werde einen Tag nach dem Gipfel zu einem griechisch-türkischen Gipfel nach Izmir reisen. Dort werde er für die Beschleunigung der Rückführungen von nicht asylberechtigten Migranten werben.

Mit Material von AP/dpa

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