POLITIK
02/03/2016 19:23 CET

Der Fall Volker Beck: Drogenabhängige brauchen Hilfe, keine Handschellen

dpa

Der Kampf gegen Drogen ist wahrscheinlich der teuerste, sinnloseste und längste Kampf, den die westlichen Demokratien seit Ende des Zweiten Weltkriegs geführt haben.

Und seit Mittwoch hat er in Deutschland ein sehr prominentes Opfer. Der Grünen-Politiker Volker Beck wurde am Berliner Nollendorfplatz mit 0,6 Gramm Crystal Meth erwischt. Er trat daraufhin von seinen Ämtern zurück.

Sollte er vorgehabt haben, diese recht überschaubare Menge an Rauschmittel selbst zu konsumieren, kann man durchaus zu zwei Feststellungen kommen: Erstens, er hätte mit seinem Drogenkonsum niemanden sonst geschadet, außer sich selbst. Zweitens: Eigentlich würde man solchen Menschen eher eine Therapie wünschen als ein Gerichtsverfahren.

Bigotte Debatte um Drogen in Deutschland

Aber wahrscheinlich lag es an der kontroversen Person Volker Beck, dass die öffentlichen Äußerungen zu diesem Vorfall schon bald entgleisten.

Den Gipfel der Geschmacklosigkeit erreichte die Diskussion, als sich die Junge Union Deutschlands mit diesem Tweet zu Wort meldete. Und man fragt sich unwillkürlich, ob nach Meinung dieser serienkundigen Jungkonservativen ein ehebrechender Ministerpräsident nicht auch zukünftig zum Betreuungsgeld schweigen sollte. Horst Seehofer wäre jedenfalls ein vortrefflicher „Mad Man“.

Aber wahrscheinlich ist da bei der Jungen Union ohnehin Hopfen und Malz verloren. Mit einem christlichen Menschenbild haben solche Twitter-Botschaften genauso viel zu tun wie Idi Amin mit der Friedensbewegung.

Am Ende zeigt uns das Beispiel von Volker Beck, wie bigott die Debatte um Drogen in Deutschland geführt wird. Weil es niemals um die Person des Drogenkonsumenten geht, sondern immer um die spießbürgerliche Angst vor dem möglichen Schaden, den dieser anrichten könnte.

Strafen produzieren nur mehr Leid

Wer harte Drogen wie Crystal Meth nimmt, ist nicht kriminell, sondern sehr wahrscheinlich ernsthaft krank. Wir helfen keinem einzigen Abhängigkeitskranken dadurch, dass wir ihn aus seinem Job werfen oder von ihm erwarten, dass er von öffentlichen Ämtern zurücktritt.

Und wer Drogenkranken nicht helfen, sondern sie abstrafen will, der produziert damit nicht weniger Sucht, sondern nur noch mehr Leid. Was wir brauchen, ist eine intensive Drogenprävention. Das Geld dafür ziehen wir bei jenen Polizeidienststellen ab, die an Winterabenden in deutschen Innenstädten Menschen festsetzen, die lächerlich geringe Mengen von Rauschmitteln bei sich tragen.

So könnte man Sucht effektiv bekämpfen. Und womöglich sollte die verstärkte Prävention gleich im Bundestag beginnen.

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