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Finnland wagt ein Experiment, das unser Leben verändern könnte

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FINNLAND
Finnland geht einen radikalen Schritt | Getty
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  • Finnland macht Ernst mit einem Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen
  • Sozialversicherungsanstalt will bis Ende des Monats genaue Pläne vorlegen
  • Auch in Deutschland unterstützt eine Mehrheit die Idee

Finnland macht Ernst mit dem bedingungslosen Grundeinkommen: Die Regierung des skandinavischen Landes wird bald ein volkswirtschaftliches Experiment starten, dessen Ausgang das Leben von Menschen in ganz Europa verändern könnte.

Wie die "FAZ" berichtet, gab Helsinki der Sozialversicherungsanstalt des Landes den Auftrag zu untersuchen, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Praxis gestaltet werden könnte.

Bei einem Experiment mit Tausenden Teilnehmern soll untersucht werden, wie Menschen reagieren, wenn sie statt Sozialleistungen jeden Monat ohne Bedingungen einen fixen Betrag ausgezahlt bekommen. Das Experiment soll Anfang 2017 beginnen und zwei Jahre laufen.

Reduziert das Grundeinkommen die Arbeitslosenzahlen?

Das Thema ist hochaktuell, weil es in unserer direkten Nachbarschaft bald eingeführt werden könnte: Am 5. Juni stimmt die Schweiz darüber ab, den Anspruch auf ein Grundeinkommen in der Verfassung zu verankern. Und auch in Deutschland findet die Idee immer mehr Anhänger. Der Ausgang des Experiments wird in ganz Europa genau verfolgt werden.

Die finnische Regierung hofft, dass mit diesem Schritt die Arbeitslosenzahlen reduzieren werden können. Denn im Oktober 2015 waren knapp neun Prozent aller Einwohner ohne Job. Der Gedanke dahinter: Die bisherige Sozialhilfe motiviert Menschen nicht, auch einen schlecht bezahlten Job anzunehmen.

Mit dem Grundeinkommen dagegen könnten arbeitslose Finnen auch Arbeit mit schlechterer Bezahlung annehmen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie sie jeden Monat über die Runden kommen.

Das Experiment soll eine Reihe von Fragen beantworten. Soll das Grundeinkommen alle Sozialhilfen ersetzen oder nur einen Teil davon? Und wie hoch soll es sein? Nach Informationen der "FAZ" sollen verschiedene Beträge wie 550, 650 und 750 Euro pro Monat ausprobiert werden.

Das ist nicht viel. Tatsächlich soll das Grundeinkommen zu einer Verschlankung des Sozialstaats führen. Das skandinavische Land gibt fast ein Drittel seines Bruttosozialprodukts für Sozialleistungen aus.

Über das Budget wird noch gestritten

Ende März sollen die genauen Pläne vorgelegt werden. Aber noch wird über das Budget verhandelt. Projektleiter Olli Kangas sagte der Zeitung: "Wir haben dafür ein Budget von 10 Millionen Euro im Jahr." Dies würde für höchstens 1500 Teilnehmer reichen.

Dazu passend: Praxistest bedingungsloses Grundeinkommen: Wenn Menschen Geld bekommen - ohne etwas dafür zu tun

Kangas hofft, dass die Regierung auch Mittel aus dem Budget der Sozialversicherungsanstalt freigibt, die für die soziale Grundsicherung vorgesehen sind. Dann würde es für bis zu 7000 Teilnehmer reichen - entsprechend aussagekräftiger wären die Ergebnisse.


Auch eine Mehrheit der Deutschen findet das Modell gut, wie das Umfrageinstitut Yougov ermittelt hat.
Demnach sind 27 Prozent der Befragten dafür und sagen, dass ein Land wie Deutschland jedermann ein Auskommen garantieren sollte.

Weitere 26 Prozent finden die Idee gut, halten sie jedoch nicht für finanzierbar.

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