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01/03/2016 12:36 CET

An den Idioten, der meinen Sohn "hässlich" genannt hat

Lieber @JusesCrustHD,

seit ich angefangen habe, über meinen Sohn Quinn und seine Behinderung zu bloggen, wusste ich: Dieser Tag würde kommen. Es gibt so viele Trolle im Internet, also Menschen, die sich hinter der Anonymität eines Benutzernamens verstecken, weil sie grausam sein wollen. Ich habe diese Feindseligkeit schon oft gesehen.

Vor kurzem wieder, nach einem Raubüberfall auf die Räumlichkeiten der „Down Syndrome Association" in Houston, Texas. Technologie im Wert von 10.000 Dollar wurde gestohlen. Auf den Bericht über den Diebstahl folgten viele ignorante Kommentare. Ein Nutzer fragte: „Wie sollen sie jetzt lernen, von eins bis Kartoffel zu zählen?" Ein anderer behauptete, es sei sowieso dämlich, Computer an „Deppen" zu verschwenden und dass die Organisation es verdient habe, ausgeraubt zu werden.

Sie haben meinen Sohn ins Kreuzfeuer genommen

Diese Kommentare sind zwar beleidigend, im Grunde zeigen sie aber nur die hassgetriebene Ignoranz dieser Menschen und sind meine Zeit nicht wert. Ich verziehe das Gesicht, wenn ich sie lese, aber ich weiß, dass man gegen diese Dummheit nicht viel machen kann.

Aber letzten Sonntag haben Sie meinen Sohn ins Kreuzfeuer genommen. Anstatt wütend zu sein, möchte ich Ihnen einen Rat geben: Seien Sie kein Arschloch. Sonst wird Sie das irgendwann heimsuchen.

Ich will aus der Ferne keine Annahmen über Sie machen. Aber ich kann mir vorstellen, dass Sie wenig wissen über die Hilflosigkeit von Eltern, die sich um ein krankes Kind mit Atemproblemen sorgen müssen. Quinn ging es vergangene Woche schlecht, er fühlte sich am Freitag aber viel besser. Wir beschlossen, uns in den Garten zu setzen und nach der Schule die Sonne zu genießen.

Es gibt wenige Dinge auf der Welt, die schöner sind: Ich sah mein Kind nach überstandener Krankheit strahlen. Ich machte ein paar Fotos um seine Genesung zu feiern und veröffentlichte sie bei Instragram mit dem Hashtag "#downsyndrome."

megan davies mennes

Ich schaue mir die Fotos, die man dort unter diesem Begriff findet, selbst gern in meiner Freizeit an. Denn ich will verdammt sein, wenn diese Kinder nicht unglaublich süß sind! Natürlich denken Sie anders, weil Sie, JusesCrustHD, dieses Foto gefunden und einen Kommentar mit einem einzigen Wort darunter geschrieben haben:

Hässlich.

Dass Sie mein Kind hässlich finden, ist die eine Sache. Sie haben ein Recht auf Ihre Meinung. Aber dass Sie bewusst unter #downsyndrome nach Fotos suchen, damit Sie beleidigende Kommentare schreiben können (Traurigerweise ist Quinn nicht Ihr einziges Opfer. Ich habe noch viele andere provozierende Kommentare von Ihnen gesehen) - das ist gleichzeitig kindisch und traurig.

Warum suchen Sie mit voller Absicht nach Bildern unserer Kinder?

Ihr Profil ist voll von beleidigenden Inhalten und geschmacklosen Aussagen. Sie behaupten, es sei alles nur Spaß und dass sich die Leute locker machen sollten. Aber warum suchen Sie mit voller Absicht nach Bildern unserer Kinder? Warum beflecken Sie ein schönes Foto meines Sohnes mit Ihrem Hass? Das ist kein Spaß, das ist Cybermobbing. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich Ihr Profil gemeldet habe.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass jemand meinen Sohn herabwürdigt, weil er anders ist. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass jemand auf seine Kosten Witze macht. Aber aktiv nach echten Menschen zu suchen, um Sie zu hänseln? Das ist mehr als grausam. Das ist unmenschlich.

Ich weiß: Sie wollen erreichen, dass ich mich über Ihren kleinen „Spaß" aufrege. Ich will ehrlich sein: Es ist schwer, nicht wütend darüber zu sein, aber ich kann mir nicht erlauben, diese Last auf meinen Schultern zu tragen. Ich kann mir nicht erlauben, irgendetwas anderes als Mitleid zu empfinden für einen Menschen mit so wenig Taktgefühl.

Sie haben mir zu einer dicken Haut verholfen und ich bin an diesen Misshandlungen gewachsen

Am Ende werden Sie die Folgen Ihrer Entscheidungen tragen. Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die diese Art des rückwärtsgewandten Denkens tolerieren und Sie werden irgendwann den Falschen verärgern. Ich glaube, das haben Sie schon. Darum verstecken Sie sich hinter einem Benutzernamen.

In meiner Jugend gab es jede Menge grausame Teenager: Jungs, die sich an Scherzen und Witzen auf Kosten anderer erfreuten. Ein paar davon waren auch an mich gerichtet. Sie haben mir zu einer dicken Haut verholfen und ich bin an diesen Misshandlungen gewachsen.

Vielleicht kann ich es deshalb dieses Mal gut sein lassen. Ich weiß, wo das Leben die meisten dieser Jungs hinführte und zwar dahin, wo ich nicht sein will. Und als Lehrerin habe ich viele Jugendliche wie Sie scheitern sehen.

Gehen Sie raus. Lesen Sie ein Buch. Machen Sie jemandem ein Kompliment. Das Wichtigste: Klären Sie sich selbst auf. Es gibt genug Grausamkeit in der Welt und jeder, der etwas wert ist, sollte danach streben, sie zu einem besseren Ort zu machen, nicht zu einem schlechteren.

Ich hoffe bloß, dass meine eigenen Kinder über ignorante Kommentare und Handlungen hinwegsehen können und andere mit Respekt und Würde behandeln. Das haben wir alle verdient, sogar Sie.

Herzlichst,

eine stolze Mama

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der HuffPost US.

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