POLITIK
01/03/2016 10:38 CET | Aktualisiert 01/03/2016 11:57 CET

Der Ölpreis zwingt Putin zu einem Bündnis, das er bald bereuen könnte

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Der russische Präsident Wladimir Putin

Der russische Präsident will den Ölpreis stabilisieren. Gestern hat Wladimir Putin die Chefs der größten Erdölunternehmen des Landes zu einem Krisentreffen an diesem Dienstag eingeladen, berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedemosti". Im Mittelpunkt der Gespräche wird ein Abkommen mit einem von Russlands ärgsten Feinden stehen.

In den letzten 18 Monaten ist der Ölpreis um über 70 Prozent eingebrochen. Die russische Wirtschaft hängt stark vom Erdölexport ab und leidet in großem Maß unter dem niedrigen Ölpreis. Moskaus Finanzminister warnte schon vor einem Zusammenbruch der Wirtschaft. Putin muss etwas unternehmen.

Der Ölpreis zwingt Feinde zu einem Bündnis

Bei dem Treffen wird es vor allem um ein Thema gehen: den Kampf gegen den Ölpreisverfall. Um dessen Verfall zu bremsen oder umzudrehen, will Putin in Absprache mit anderen Ölstaaten die Förderung einfrieren oder sogar kürzen.

Russland sucht den Kontakt zu anderen Ölproduzenten. Schon im Januar hatte sich das Land mit mehreren Opec-Mitgliedsstaaten getroffen. Mit dabei waren neben Katar und Venezuela einer von Russlands politischen Feinden: Saudi-Arabien.

Das arabische Land unterstützt im Syrien-Krieg zusammen mit der Türkei sunnitische moderate Rebellen, während Russland für das Assad-Regime bombt.

Bisher konnte sich die Opec nicht auf eine Begrenzung der Fördermengen einigen. Das lag vor allem an Saudi-Arabien. Die Saudis haben die stärkste Stimme in dem Kartell. Ohne das Einverständnis der mächtigen Öl-Scheichs kann es also keine Einigung auf eine Förderquote geben - auf die Russland dringend angewiesen wäre.

Steigender Ölpreis könnte den Syrien-Konflikt eskalieren lassen

Obwohl Saudi-Arabien so viel Macht in der Opec hat, steckt es ebenfalls in einer schwierigen Lage. Auch die Scheichs können sich ein derart niedriges Preisniveau für ihren Handel eigentlich nicht leisten. Auch sie haben ein Interesse daran, dass dem Absturz ein Ende bereitet wird.

Jetzt scheint der niedrige Ölpreis Russland und Saudi-Arabien zusammenzubringen. Ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse lassen sie ihre gegensätzlichen Positionen im Syrien-Krieg erstmal ignorieren.

Doch für wie lange noch? "Die Ironie ist, dass wenn das russisch-saudische Abkommen erfolgreich darin ist, den Ölpreis zu stabilisieren oder sogar anzuheben, beide mehr Mittel haben werden, um ihren Stellvertreterkrieg zu finanzieren - zu einem Zeitpunkt, an dem Saudi-Arabien damit droht, selbst zu intervenieren", sagt der Experte James Dorse von der Nanyang Technological University der Agentur Bloomberg.

Ein höherer Ölpreis würde sowohl Russland als auch Saudi Arabien mehr Geld für ein militärisches Abenteuer in Syrien geben. Vergangene Woche verlegte Saudi-Arabien Kampfflugzeuge in die Türkei. Das Land gab außerdem bekannt, dass es bereit sei, Bodentruppen nach Syrien zu entsenden. Träfen Russland und Saudi Arabien in Syrien aufeinander könnte das zu einer erneuten Eskalation in Syrien führen - und damit zu einer Katastrophe.

Zu warm möchte Putin mit den Saudis nicht werden. Das Öl-Abkommen soll nicht als politische Annäherung im Syrien-Konflikt verstanden werden, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow vor Reportern: "Dies sind unterschiedliche Themen."

Es könnte sein, dass Putin dieses Bündnis noch bereuen wird.

Mit Material der DPA

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