POLITIK
01/03/2016 22:16 CET

"Kybernetiq": Wie ein deutsches Terror-Magazin Islamisten ausbildet

Prazis via Getty Images
Concept of terrorism. Silhouette terrorists near the border fence in the background at sunset

Gefährlich oder einfach nur skurril? Seit Ende 2015 kursiert im Internet ein deutschsprachiges Online-Magazin mit dem Namen "Kybernetiq", das wohl eine ganz spezifische Leserschaft erreichen will: Deutsche Islamisten, die ihre IT-Kenntnisse erweitern wollen.

"Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Glaubensgeschwister den richtigen Umgang mit Software und Hardware erlernen", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das mittlerweile offline genommene Magazin.

"Wir Muslime finden uns in der Rolle der Rückständigen wieder, während dazu geneigt wird, die Fortschritte der Ungläubigen zu verteufeln", heißt es dort weiter.

"Wir töten auf Basis von Metadaten"

Auch wenn im ganzen Magazin kein einziges Mal das Wort "Terrorist" oder "IS" vorkommt, wird schnell klar, dass sich die IT-Fortbildung nicht an alle Muslime richtet.

Denn der Autor gibt nicht nur offen an, sich im Dschihad - also im Glaubenskrieg - zu befinden, auch die hochwertig optimierten Magazinseiten deuten auf einen radikalen Hintergrund hin: Dort wird beispielsweise eine Patrone neben einem USB-Stick gezeigt. "Wir töten auf Basis von Metadaten", heißt es daneben.

Inhaltlich enthält das Terrorblatt viele Tipps, die auch in herkömmlichen IT-Magazinen zu finden wären. Doch neben digitalen Verschlüsselungstechniken, finden sich auch Hinweise, die skurril anmuten.

Beispielsweise was die Auswahl eines Online-Usernamens angeht. "Sucht euch neutrale Nicknames aus oder benutzt reale Namen von Ungläubigen." "SexyBunny94" sei unverdächtiger als "AbuUsamah007", heißt es weiter.

Nerd trifft auf Salafismus

Doch es wird noch exotischer: Auf der letzten Seite soll eine selbstgeschriebene Dschihadismus-Sci-Fi-Geschichte "Muslimen weltweit Motivation und Denkanstöße vermitteln". In der Novelle wird getreu der salafistischen Ideologie in einem endzeitlichen Kampf nahe dem syrischen Dabiq gekämpft.

Nerd trifft Salafismus? Auch wenn sich diese Kombination zunächst befremdlich anhört: Experten warnen schon lange vor der zunehmenden Tragweite der Online-Missionsarbeit von radikalen Salafisten.

Hinter "Kybernetiq" vermutet der Verfassungsschutz allerdings eher eine radikalisierte Einzelperson, als eine terroristische Gruppierung, berichtet die "FAZ". Man vermute einen Zusammenhang mit einem dschihadistischen Twitteraccount, darin beschreibe sich der Autor als "technikbegeisterter Terrorist", heißt es dort weiter.

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