POLITIK
02/03/2016 04:33 CET | Aktualisiert 02/03/2016 07:58 CET

Dreyer und Klöckner liefern sich scharfes TV-Duell

DPA
Malu Dreyer und Julia Klöckner nach dem TV-Duell

Es ist ein historischer Zweikampf im deutschen Fernsehen, Malu Dreyer (SPD) will Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz bleiben, Julia Klöckner (CDU) will es nach 25 Jahren SPD-Herrschaft werden.

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl haben sich die beiden Spitzenkandidatinnen ein scharfes TV-Duell geliefert. Sie trafen am Dienstag eine Stunde live beim Südwestrundfunk aufeinander.

In einer nicht repräsentativen Befragung des Testpublikums beim SWR sahen danach 35 Prozent die amtierende Ministerpräsidentin Dreyer als Siegerin, 32 Prozent die Herausforderin Klöckner.

"Sie fallen der Kanzlerin in der Rücken"

Klöckner, die mit ihrem Plan "A2" mit Grenzzentren und Tageskontingenten von Flüchtlingen über die aktuelle Politik von Kanzlerin Angela Merkel hinausgeht, betont: "Die Kanzlerin hält Europa zusammen. Ich stehe an ihrer Seite."

Dreyer lobt Merkels Suche nach einer europäischen Lösung. "Die Kanzlerin hat einfach recht", sagt sie und wirft Klöckner vor, sie falle ihrer Parteivorsitzenden in den Rücken. Die CDU-Frau nimmt Ängste in der Bevölkerung auf, die SPD-Frau setzt auf Zusammenhalt.

Schnell wird es emotionaler. Klöckner würde gern länger sprechen zum Thema Flüchtlinge und sagt zu Moderator Fritz Frey: "Komplexe Sachverhalte brauchen auch komplexe Antworten. Es passt nicht alles in eine Schlagzeile."

"Leben Sie eigentlich in Rheinland-Pfalz?"

Dreyer betont angriffslustig, als es um Integration geht: "Da frage ich mich manchmal schon: Leben Sie eigentlich in Rheinland-Pfalz?"

Klöckner erwidert, die rot-grüne Landesregierung versage der Kanzlerin die Unterstützung, wenn es darum gehe, die Liste der sicheren Herkunftsstaaten um Marokko, Tunesien und Algerien zu erweitern.

"Es ist leider falsch, was Sie sagen", kontert Dreyer. Dem Bundesrat sei noch kein Gesetzentwurf dazu vorgelegt worden. Daher habe die Landesregierung in dieser Frage noch gar keine Entscheidung treffen müssen.

Beim Thema Straßenbau und Infrastruktur wirft Klöckner der rot-grünen Landesregierung vor, diese Bereiche jahrelang vernachlässigt zu haben. Der "marode" Zustand von Straßen und Brücken sei ein Hindernis für die Entwicklung der Wirtschaft.

"SPD betreibt Bildungsraub an den Kindern"

Dreyer hält dagegen: "Wir haben das dichteste Straßennetz in ganz Deutschland." Beim schnellen Internet liege Rheinland-Pfalz über dem Bundesdurchschnitt.

Auch in der Bildungspolitik klaffen die Einschätzungen weit auseinander. Klöckner wirft der Landesregierung "Bildungsraub an den Kindern" vor - jede Woche fielen 16.000 Unterrichtsstunden im Land aus. Dreyer erwidert: "Die Unterrichtsversorgung liegt bei 98,6 Prozent, das ist ein toller Wert."

Die größten Unterschiede gibt es gefühlt in der Flüchtlingspolitik, doch auch bei der Abgrenzung zur AfD, in der Bildungs- und der Wirtschaftspolitik werden viele Differenzen offensichtlich. Gemeinsamkeiten sind sehr rar. Als Schlusswort sagt die Herausforderin: "Es wird Zeit für den Neuanfang." Und die Regierungschefin: "Sie können sich auf mich verlassen."

Mit Material der dpa

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