POLITIK
02/03/2016 12:52 CET

Anti-Werbung: Diese Slogans sollen Flüchtlinge abhalten, nach Österreich zu kommen

Getty Images
Flüchtlinge auf der Einreise von Afghanistan nach Europa

  • Österreich hat eine Werbekampagne gestartet, um Flüchtlinge abzuschrecken

  • Zielgruppe sind Afghanen, Tunesier und Marokkaner

  • Die neue Kampagne hat ein erfolgreiches Vorbild

Nach der Einführung von Kontingenten verschärft Österreich seine Gangart gegen Flüchtlinge weiter. "Asyl nur befristet". "Kein Familiennachzug ohne Einkommen". Mit diesen Sprüchen sollen Afghanen von der Flucht in die Alpenrepublik abgehalten werden. Aus Sicht des österreichischen Innenministeriums sei das "ein Gebot der Fairness".

Die Menschen sollen bereits in ihren Heimatländern über die verschärften Asylregeln in der Alpenrepublik informiert werden. Das machte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Präsentation der Anti-Werbung am Dienstag in Wien deutlich.

Die Sprüche sollen auf Großplakaten am Straßenrand in vier Städten Afghanistans zu sehen sein, sogar auf Bussen in Kabul angebracht werden. Daneben werden Slogans wie "Österreichs Asylrecht nun noch strenger" über Zeitungsinserate, Fernsehspots und auf bis 1000 afghanischen Web-Seiten und soziale Medien fortan verbreitet. Es gehe darum, den Falschinformationen der Schlepper eine eigene Informationspolitik entgegen zu setzen, heißt es aus dem Innenministerium.

Anti-Werbung soll auf andere Herkunftsländer ausgeweitet werden

Ziel sei es, die Anti-Werbung bald auch auf andere Herkunftsländer der Flüchtlinge auszuweiten. Nicht ohne Grund wendet sich die Kampagne als erstes gegen Afghanen: Mit rund 25.500 Asylanträgen stellten sie in Österreich die größte Flüchtlingsgruppe im Jahr 2015 dar.

Die Anerkennungsquote lag zu dieser Zeit bei rund 45 Prozent. Wie Mikl-Leitner bei der Präsentation der Informationskampagne gegenüber nationalen Medien betonte, habe Österreich inzwischen das strengste Asylrecht Europas. Darüber müssten auch Afghanen informiert werden.

Nachdem Österreich und andere Staaten an der Balkanroute nur noch begrenzt Flüchtlinge ins Land lassen, spitzt sich die Lage an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien zu. Tausende Flüchtlinge werden abgewiesen, und versuchen dort in Panik, Grenzübergänge zu stürmen.

Viele von ihnen wenden sich mit Hilferufen an die deutsche Kanzlerin, die sich von der österreichischen Kehrtwende nicht von ihrem "Wir schaffen das"-Credo abbringen lässt.

Fernsehwerbung für Analphabeten

Was dem Innenministerium wohl auch entgegenkommen dürfte: Verglichen mit anderen großen Informationskampagne, ist der Werbefeldzug für Peanuts zu haben.

Rund 10.000 Euro veranschlagt das Ministerium für sämtliche Plakate und Werbespots, wie die österreichische Zeitung die Presse meldet. Mehr sei angesichts der örtlichen Preise nicht nötig.

Aufgrund des hohen Anteils an Analphabeten in der afghanischen Bevölkerung, erhofft sich die Innenministerin von den geplanten Fernseh-Spots den größten Effekt. Gezeigt werden sollen Heimkehrer, die von enttäuschten Erwartungen von der Asylsuche in Österreich berichten. Dazu will das Ministerium auch Social Media-Kanäle in den Heimatsprachen nutzen.

In den nächsten Wochen sei der Start von ähnliche Aktionen in den Maghreb-Staaten Tunesien, Marokko und Algerien geplant. Vorbild für die Maßnahme ist eine Info-Kampagne, die das Innenministerium im Vorjahr im Kosovo lanciert hatte. Infolge der Anti-Werbung seien die Anträge aus dem Balkan-Land spürbar zurückgegangen.

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