POLITIK
29/02/2016 08:04 CET | Aktualisiert 01/03/2016 14:03 CET

Kretschmann beschwört den gewaltlosen Islam

dpa

  • Kretschmann sorgt mit einer Äußerung zum Islam für Diskussionen

  • Nur ein moderner Islam könne Deutschland bereichern, sagt er

  • Grüne in Umfragen vorn - CDU steht in Baden-Württemberg vor einem Desaster

"Der Islam gehört zu Deutschland" - Wolfgang Schäuble sorgte mit diesem Satz schon im Jahr 2006 für Aufsehen. Ein paar Jahre später wiederholte ihn Bundespräsident Christian Wulff.

Auch Angela Merkel hat den Satz einige Male ausgesprochen. Immer wieder sorgte er für Kontroversen.

Jetzt hat wieder ein Politiker diesen Satz gesagt. Und er kommt genau zur richtigen Zeit.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte bei einer Grundsatzrede in Stuttgart: "Der Islam gehört zu Deutschland und zu Baden-Württemberg, oder genauer gesagt: der in unsere Verfassungsordnung inkulturierte Islam." Damit reagierte er auf die wachsende Gefahr durch radikale religiöse Gruppen.

Kretschmann bricht ein Tabu

Wie dieser Islam genau auszusehen habe, beschrieb Kretschmann allerdings nicht. Aber seine Rede war trotzdem ein wichtiges Zeichen an alle Flüchtlinge, die neu nach Deutschland gekommen sind. Und an die Muslime, die hier leben.

An die Muslime in Deutschland hatte der Ministerpräsident allerdings auch eine klare Botschaft: Ein fundamentalistischer Islamismus habe in Deutschland nichts zu suchen, sagte er - aber ein moderner Islam könne die deutsche Kultur bereichern.

Die Tageszeitung "Die Welt" betitelte diesen Islam umgehend als "Volksislam".

Damit geht Kretschmann nun noch weiter als Politiker vor ihm. Der Islam gehört nicht nur zu Deutschland, nein, er kann unser Land sogar bereichern. Relativ unbemerkt hat der grüne Ministerpräsident damit ein Tabu gebrochen.

Dass eine Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland (Schäuble stieß sie an, mittlerweile ist sie eingeschlafen) längst überfällig ist, ist klar. Kretschmann dürfte mit seinen Aussagen aber wieder für Kontroversen sorgen.

CDU steht vor einem Desaster bei den Wahlen

Kretschmann sagte auch warum: "Überall sind radikale, rechtspopulistische Bewegungen und Parteien auf dem Vormarsch." Außerdem beobachte er eine "Brutalisierung" der öffentlichen Debatte. "Wenn aber andere ihre extremen Meinungen nicht teilen, sind sie beleidigt. Sie ziehen sich zurück oder radikalisieren sich." Ein ehrlicher Dialog tue da Not.

In zwei Wochen wählen die Bürger in Baden-Württemberg. Kretschmanns Grüne stehen in den Umfragen gut da, teilweise sogar besser als die CDU, die in den vergangenen Wochen einen beispiellosen Absturz in den Umfragen erlebte.

Mit seiner Rede wollte er wohl ein Signal an die Fremdenfeinde im eigenen Bundesland senden. Die AfD liegt laut Umfragen bei rund 10 Prozent.

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