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13 Gründe, warum Scheidungskinder anders mit Liebe umgehen

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YOUNG LOVE FILTER
Michael Heffernan via Getty Images
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Lena war eine Besonderheit bei uns im Kindergarten. Nicht weil sie etwas größer war als wir anderen. Oder weil sie die coolen Turnschuhe anhatte, die bei jedem Schritt aufleuchteten.

Sondern weil sie manchmal von ihrem Papa und manchmal von ihrer Mama abgeholt wurde. Lenas Eltern waren noch zusammen!

In meinem Freundeskreis war das damals eine große Sache und ist es heute immer noch. Für mich umgab Lena und Kinder wie sie stets eine mystische Aura - als käme sie aus einem anderen Land, in dem es tatsächlich noch Einhörner gibt.

Etwa die Hälfte aller Scheidungen in Deutschland lassen minderjährige Scheidungskinder zurück. Auch wenn manche Studien behaupten, Scheidungskinder seien generell weniger erfolgreich im Leben, litten häufiger an Depressionen und hätten häufiger gesundheitliche Probleme, geht es mir und meinen Scheidungskinderfreunden eigentlich ganz gut.

Dass wir "anders" sind merken wir eigentlich selten
- außer wenn wir auf Leute wie Lena treffen. Und, wenn es um die Liebe geht.

Wenn man seinen ersten Liebeskummer nicht wegen der verlorenen Jugendliebe, sondern der verlorenen Eltern durchleidet, verändert sich die Art und Weise, wie man Liebe wahrnimmt und mit ihr umgeht.

scheidungskinder

1. Wir lieben vorsichtiger.

Die rosarote Brille, die die hässlichen Seiten der Liebe ausblendet, wurde uns schon ziemlich früh vom Gesicht gerissen. Wir sind uns der Gefahren der Liebe und von Beziehungen sehr bewusst. Binden wir uns an jemanden - was wir nicht so leichtfertig und häufig tun - nehmen wir das sehr ernst.

2. Wir geben viel zu spät auf

Wo andere schon längst das Handtuch geschmissen hätten, laufen wir noch die extra Meile, um unsere Liebe zu retten. Wir glauben, dass es sich lohnt, für Liebe zu kämpfen - vielleicht, weil unsere Eltern es in unseren Augen nicht genug getan haben.

3. Wir sind hoffnungslose Romantiker

Die Sehnsucht nach der großen, vollkommenen Beziehung, steckt uns so tief in der Seele, wie auch unsere Zweifel daran. Auch wenn wir eigentlich kaum daran glauben, ist es doch unser sehnlichster Wunsch, in unserem Zynismus widerlegt zu werden.

4. Wir können schwer abschließen

Tief in unserem Herzen sind wir davon überzeugt, dass wahre Liebe niemals stirbt. So wie wir insgeheim immer noch einen kleinen Funken Hoffnung haben, dass unsere Eltern doch wieder zusammenkommen könnten, fällt es uns schwer, unsere eigenen Liebesbeziehungen endgültig für tot zu erklären. Unsere Hoffnung stirbt tatsächlich nie. Obwohl ...

5. Ewige Liebe macht uns Angst

Der Gedanke, für immer und ewig mit jemandem zusammen zu sein, wie es uns unsere romantische Idealvorstellung ja vorgibt, jagt uns eine Heidenangst ein. Wir haben früh gelernt, dass eine Beziehung nicht etwas Dauerhaftes sein muss - so intensiv und ernst sie auch sein mag - und deren Ende sehr schmerzvolle Folgen haben kann.

6. Wir hinterfragen alles

Auch wenn wir wissen, dass wir geliebt werden, müssen wir es hören, sehen, fühlen. Immer wieder. Es mag anstrengend für einen Partner sein, aber wir brauchen diese Bestätigung einfach, um sicherzugehen, dass die Liebe noch da ist. Wir hinterfragen alles in einer Beziehung - wir wollen einfach keine unangenehmen Überraschungen erleben.

7. Wir haben hohe Ansprüche

Wir tendieren dazu, zuerst all die potenziellen Makel eines Menschen ausfindig zu machen, statt uns auf dessen Stärken zu konzentrieren. Vertrauen fällt uns nicht leicht. Daher geben wir vielen Menschen erst gar keine Chance - das Risiko ist einfach zu hoch, enttäuscht zu werden.

8. Wir sind ein bisschen durchgeknallt

Wir haben früh mitbekommen, dass Liebe und Wahnsinn Hand in Hand gehen können. Liebe kann uns zu Höchstformen antreiben und gleichzeitig unsere schlimmsten Seiten hervorbringen. Wir finden allerhand verrücktes Verhalten daher bloß natürlich. Ob im positiven oder negativen Sinne: Scheidungskinder lieben immer extrem.

9. Wir haben Verlustängste - und die äußern sich in der Art, wie wir Beziehungen führen

Wir halten an allem fest: Menschen, Erinnerungen, Illusionen - alles, wonach wir greifen können. Selbst wenn unser Partner nicht beabsichtigt, uns zu verlassen oder noch nie mit uns Schluss gemacht wurde - die Angst, allein gelassen zu werden, die wir als Kind ständig gefürchtet haben, setzt sich in unserem Leben als Erwachsener fort.

10. Wir nehmen kein Blatt vor den Mund

In Beziehungen ist Kommunikation das A und O - das haben Scheidungskinder früh gelernt, da wir an vorderster Front bei unseren Eltern miterlebt haben, wohin eine mangelnde Kommunikation führen kann. Wir haben miterlebt, wie unsere Eltern hinter dem Rücken des anderen böse über ihn geredet haben, um ihn schlecht dastehen zu lassen.

Ein "alles gut" oder "passt schon" kann uns zur Weißglut treiben. Wir fordern immer die Wahrheit -- so unangenehm und brutal sie auch sein mag.

11. Wir sind sehr aufmerksam und kümmern uns gern

Scheidungskinder sahen sich oft schon früh in einer umgekehrten Rollenverteilung. Statt von den Eltern getröstet und umsorgt zu werden, haben sie sich in schmerzhaften Momenten um ihre Eltern kümmern müssen. Dasselbe tun wir für unsere Partner, wenn wir erwachsen sind.

Ob wir ihnen Essen vorbeibringen, ohne dass sie darum bitten müssen, süße Nachrichten vor dem Schlafengehen schreiben oder alles stehen und liegen lassen, wenn unser Partner unsere Hilfe braucht. Wir versuchen unseren Liebsten immer zu zeigen, wie sehr wir sie lieben. Vielleicht auch deshalb, weil wir fürchten, die Liebe könnte erlöschen, wenn wir das nicht tun. Andererseits ...

12. Wir sind verschlossen

Wir haben unsere Eltern so verletzlich gesehen, dass wir uns geschworen haben, niemals zuzulassen, ebenso verletzt werden zu können. Deshalb sind unsere Herzen nie ganz so offen, wie sie vielleicht den Anschein erwecken. Daher ...

13. Wir sind keine einfachen Partner

Die hohen Ansprüchen, der Drang nach Bestätigung und die Schwierigkeit, wirklich zu ihnen durchzudringen, machen Scheidungskinder nicht zu den einfachsten Partnern. Aber dafür lieben wir auch mit Haut und Haaren.

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