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25/02/2016 12:29 CET | Aktualisiert 25/02/2016 14:01 CET

Todesgefahr Glyphosat: EU will Lizenz von Monsanto um 15 Jahre verlängern

dpa

Gerade erst fanden Forscher des Münchner Umweltinstituts heraus, dass ausgerechnet 14 der beliebtesten deutschen Biersorten mit dem mutmaßlich krebserregenden Planzenschutzmittel Glyphosat verseucht sind. Die Werte lagen mitunter um fast das 300-fache über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm.

EU will Glyphosat weitere 15 Jahre zulassen

„Ein Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren“, sagt Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut. Doch auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln wurden zuletzt Rückstände des Unkrautvernichters gefunden – nicht nur in Deutschland, in ganz Europa.

Und was macht die Europäische Union? Brüssel pfeift offenbar darauf, dass viele Forscher vor dem Verzehr von Glyphosat warnen. Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts sogar um 15 Jahre verlängern. Darauf wies der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, am Mittwoch in Brüssel hin.

"Der EU sind die Interessen der Agrarindustrie wichtiger als die Gesundheit ihrer Bürger"

Mit der Verlängerung der Zulassung bis 2031 verstoße die EU-Kommission gegen das Vorsorge-Prinzip und werfe „alle Bedenken von Wissenschaftlern über Bord“, kritisierte der Umweltpolitiker. Für ihn steht fest: „Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids, Monsanto.“ Laut Häusling soll die Wiederzulassung „weitgehend ohne Mengen- und Anwendungsbeschränkung“ erfolgen.

Monsanto: Die unheimliche Macht

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Das Mittel ist seit vielen Jahren umstritten. Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, sagt, da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen „nicht wünschenswert“.

Monsanto gilt als einer der mächtigsten Agrarkonzerne der Welt. Manche betrachten das US-Unternehmen als eine unheimliche Macht. Entwicklungshilfe- und Umweltschutzorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen den Mega-Konzern. So soll dieser etwa die Bauern in der Dritten Welt entrechten. Auch einzelne andere Pflanzenschutzhersteller stehen in der Kritik. Nun scheint es so, als würde die EU auch die Interessen deutscher Verbraucher dem Profitstreben von Agrarkonzernen opfern.

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