POLITIK
25/02/2016 15:22 CET | Aktualisiert 25/02/2016 15:35 CET

"Es darf kein 'Weiter so' geben": 5 Dinge, die ihr jetzt über Glyphosat in deutschem Bier wissen müsst

dpa

Es ist eine Studie, die für Wirbel sorgt. Das Umweltinstitut München untersuchte den Glyphosat-Gehalt der 14 größten deutschen Biermarken. Das erschütternde Ergebnis: Alle überschritten den Grenzwert des Pflanzenschutzmittels, das die Weltgesundheitsorganisation als krebserregend einstuft.

Wir haben die fünf drängendsten Fragen zum wohl größten Bierskandal seit Jahrzehnten zusammengestellt.

1. Was ist das genaue Ergebnis der Studie?

Mehrere deutsche Biere sind laut Studie dem Pestizid Glyphosat belastet. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300 fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm. Einen Grenzwert für Bier gibt es allerdings nicht. Welche Marken betroffen sind, zeigt unser Video:

2. Wird der Skandal Konsequenzen haben?

Das lässt sich noch nicht beantworten. Die Liste derer, die Konsequenzen fordern, wird jedoch immer länger. Harald Ebner, Agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte der Huffington Post.

„Die Hersteller sollten sich schon fragen, wie das Glyphosat ins Bier kommt. Sie müssen sich im Sinne eines guten Qualitätsmanagements mit der Herkunft ihrer Zutaten auseinandersetzen, die prüfen und da gegebenenfalls strengere Maßstäbe anlegen und Vorgaben machen.“

Der Fall zeige: "Das Pflanzengift kommt in unsere Nahrungskette." Er fällt ein scharfes Urteil: „Pflanzengifte haben in Lebensmitteln nichts zu suchen, zumal bei Glyphosat das Risiko für Menschen noch nicht ausreichend erforscht ist. Deshalb darf es bei Glyphosat kein Weiter-So geben.“

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) verlangt eine großangelegte, bundesweite Studie zu den Folgen des Einsatzes von Unkrautvernichtern wie Glyphosat. Diese Forderung werde er als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz bei den Treffen im April und September zum Thema machen, kündigte der SPD-Politiker am Donnerstag in Schwerin an.

3. Kann man jetzt noch Bier trinken?

Ja – das sagt zumindest das Bundesinstitut für Risikobewertung. Glyphosat-Rückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff sei.

Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien so niedrig, dass die rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liege als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen, teilte das BfR auf Anfrage mit. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.“

Grünen-Politiker Ebner sieht das kritischer. Die Einordnung der BfR nennt er verharmlosend. „Wenn Glyphosat wirklich krebserregend ist, wie die WHO-Experten vermuten, ist jeder Wert zu hoch“, sagte er der Huffington Post. „Pestizide haben in unseren Lebensmitteln nichts zu suchen – unabhängig von Grenzwerten.“

4. Was sagen die Brauer?

Der Deutsche Brauer-Bund hat die Studie des Münchner Umweltinstituts zu Glyphosat in Bier als nicht glaubwürdig bezeichnet. Der Vorwurf des Umweltinstitutes, die Brauereien würden ihre Rohstoffe nicht ausreichend kontrollieren, sei „absurd und völlig haltlos“, teilten die Brauer am Donnerstag mit. Die Brauereien in Deutschland betrieben einen hohen Aufwand, um die vier natürlichen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, die nach dem Reinheitsgebot zum Brauen verwendet werden, auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren.

5. Kontrollieren die Brauer den Glyphosat-Gehalt?

Ja. Der Deutsche Brauer-Bund hat nach eigenen Angaben ein eigenes Überwachungs-System für Braumalz. „Unser Monitoring zeigt, dass die gemessenen Werte stets deutlich unter den Höchstgrenzen liegen. Zu keiner Zeit konnten Überschreitungen der zulässigen Rückstandshöchstwerte bei Glyphosat festgestellt werden.» Daneben gebe es staatliche Kontrollen und weitere Eigenkontrollen der Brauereien, die dafür Sorge trügen, dass keine Schadstoffe Eingang in die Produktion finden.

mit Material von dpa

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