POLITIK
25/02/2016 12:07 CET | Aktualisiert 25/02/2016 12:18 CET

Das ist die beste, ehrlichste und unbequemste Analyse zu Clausnitz

dpa
Das ist die beste, ehrlichste und unbequemste Analyse zu Clausnitz

Es ist nur eine von sehr vielen Wortmeldungen zu Clausnitz in diesen Tagen. Aber es ist eine, die viel Aufmerksamkeit bekommt – und das zurecht.

Es ist ein Blog von einem anonymen Autor. Jemand, der von sich schreibt, er habe in Clausnitz gelebt und sei immer noch regelmäßig dort. Jemand, dem man es abnimmt, wenn er die Stimmung dort beschreibt.

Es ist ein Blog, der so lesenswert ist wie wenige Beiträge sonst zum Thema Clausnitz. Weil er sich viel Zeit nimmt, die Dinge zu betrachten, weil er beobachtet und erst dann urteilt. Das sind die wichtigsten Thesen:

  • Niemand muss jetzt überrascht sein. Der Schreiber wundert sich nicht, dass in Clausnitz ein wütender Mob Asylbewerber davon abhalten wollte, ihre Unterkunft zu beziehen. Der Schreiber erinnert sich an früher, an völlig unauffällige „Feiern und Feste, an Lagerfeuer, an Grillen und Musik“ – und an Jugendliche, die „SIEG…!!!“ gebrüllt haben, an Leute, die den Hitler-Gruß zeigten, an Thor-Steinar-Jacken, antisemitische Sprüche, sogar an massive Gewalt gegen einen Menschen, der Rastalocken trug und einen, den man als „Assi“ diffamierte.
  • Nicht jeder ist ein echter Nazi. „Ich habe heute noch immer das Gefühl, viele waren sich damals gar nicht bewusst, was sie da eigentlich sagten“, heißt es in dem Blog. Viele seien naiv gewesen.
  • Aber es gibt die echten Nazis. Diejenigen, die genau wussten, was sie da taten und heute noch tun. Und die, die sich selbst nicht öffentlich Nazi zu sein trauten und sich freuten, wenn es die anderen tun.
  • Es gibt die Ignoranten. Die nicht auf die Hetze reagieren, weil es bequem ist.
  • Es gibt diejenigen, die das Rassismus-Problem erkannt haben. „Aber diese sind genauso wie der rechtsextreme Teil eine Minderheit in unserer Gesellschaft. Der große Teil unserer Gesellschaft sind Personen, die damit nichts zu tun haben und auch nichts damit zu tun haben wollen.“
  • Clausnitz ist überall. Rassisten gibt es in Clausnitz, in Sachsen, im Osten. Und überall in Deutschland.
  • Das pauschale Verurteilen der Clausnitzer ist genauso falsch wie alle Flüchtlinge als Kriminelle zu diffamieren. „Das, was die Videos vom Donnerstagabend zeigen und das, was ich hier gerade beschrieben habe, das ist nur ein Teil und zwar ein kleiner.“
  • Es läuft viel schief in der Flüchtlingspolitik. Die Menschen vor Ort werden nicht gefragt. Ungefähr so: „Wir quartieren jetzt jemanden bei euch ein, egal ob ihr wollt oder nicht. Wir sagen euch auch nicht, wer. Wir sagen euch nicht, wann. Wir sagen euch nicht, was das für euch bedeutet. Punkt!“
  • Es ist so unheimlich schwer, es besser zu machen. Weil die Aufgabe so gewaltig ist.
  • Wer jetzt gegen Flüchtlinge hetzt, hat ein ganz anderes Problem: „Ich habe das Gefühl, dass jene, die so fühlen, nicht in der Lage sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, für ihre eigenen Probleme. Sie werden immer unzufrieden sein und sie werden die Schuld dafür nie bei sich selbst suchen, sondern immer bei anderen.“
  • „Uns geht es gut. Uns geht es besser als dem Großteil der Menschheit auf diesem Planeten.“
  • Man darf Angst haben, sich unwohl fühlen und muss nicht selbst Flüchtlingen helfen. Man darf es auch sagen. Aber man muss die anderen helfen lassen. Und sich dann eben selbst zurückhalten.

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