POLITIK
24/02/2016 14:28 CET | Aktualisiert 24/02/2016 15:25 CET

Tausende verzweifelte Flüchtlinge harren in Griechenland aus

Getty Images
Tausende Flüchtlinge kommen nach wie vor in Europa an

In der griechischen Hafenstadt Piräus sind in den vergangenen drei Tagen mit der Fähre 9000 Flüchtlinge angekommen. Und am Mittwochmorgen waren es 1700, wie die Hafenverwaltung mitteilte. Gleichzeitig warten mehrere tausend Migranten entlang der Fernstraßen des Landes, in Athen und Thessaloniki auf eine Gelegenheit, nach Nordgriechenland weiter zu kommen.

afghanen warten

"Griechenland unter Quarantäne gestellt"

Auch an der Grenze zu Mazedonien harrten am Mittwoch mindestens 4000 Menschen aus. Die mazedonischen Grenzpolizisten erlauben nur kleineren Gruppen von Flüchtlingen die Einreise, wie Mitarbeiter humanitärer Organisationen berichteten.

Allein in den ersten Wochen des neuen Jahres kamen in Italien und Griechenland 100.000 Flüchtlinge an - genau so viele wie in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.

mädchen

Die griechische Presse schlug Alarm: "Griechenland unter Quarantäne gestellt", titelte die Athener Traditionszeitung der politischen Mitte, "Ta Nea". "Griechenland wird zu einem riesigen Registrierzentrum (Hotspot)", lautete der Tenor des konservativen Blattes "Eleftheros Typos".

Hunderte Migranten verbrachten die Nacht im Freien

Die Regierung in Athen versucht, das drohende Chaos abzuwenden. Im Hau-Ruck-Verfahren wurde am Mittwochmorgen ein neues Aufnahmelager nahe Thessaloniki in Betrieb genommen.

Am zentralen Viktoria-Platz von Athen hatten Hunderte Migranten die Nacht im Freien verbracht. Als am Mittwochmorgen Regen einsetzte, öffneten viele Einwohner die Türen ihrer Häuser und ließen die Flüchtlinge in den Treppenhäusern Schutz suchen.

piraeus

Viele Bürger verteilten Essen und warme Getränke unter den Migranten, wie der griechische Nachrichtensender Skai weiter berichtete.

"Wir wollen los"

Einige Migranten aus Afghanistan sagten Reportern vor Ort, sie überlegten sich inzwischen, über Albanien nach Mitteleuropa weiterzureisen. Die Balkanroute durch Mazedonien ist für sie geschlossen, sie werden an der Grenze zurückgewiesen.

In Piräus verteilten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen am Mittwochmorgen Obst und warmen Tee an die Migranten. Auch entlang der Fernstraße zwischen Athen und Thessaloniki harren Migranten aus: Griechische Bauern blockieren aus Protest gegen neue Steuern und höhere Rentenbeiträge die wichtige Autostraße E-75 und lassen niemanden durch. Hunderte Migranten mussten die Nacht zum Mittwoch in Bussen verbringen.

"Wir wollen los", skandierten verzweifelte Menschen, die das griechische Fernsehen zeigte.

Weniger Flüchtlinge kommen nach Bayern

Trotz der hohen Zahl, die weiter in Griechenland ankommt, ist die Zahl der über die bayerische Grenze nach Deutschland einreisenden Migranten in den vergangenen Tagen deutlich zurückgegangen. Nach Angaben der Bundespolizei in München wurden am Dienstag nur 50 Menschen an der Grenze gezählt. Im Schnitt erreichten den Angaben zufolge in den vergangenen acht Tagen weniger als 500 Menschen täglich den Freistaat.

Dabei ist eine Abnahme der Zahlen nach unten ab dem 16. Februar zu erkennen. Vor diesem Datum kamen noch weit über 2000 Menschen täglich in Bayern an. Womit dieser Entwicklung zusammenhängen könnte, dazu wollte sich ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwoch nicht äußern. Man wolle nicht über Ursachen spekulieren, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Österreich hatte Ende Januar eine Jahresobergrenze von 37.500 Flüchtlingen festgelegt und am 17. Februar verkündet, täglich nur noch 80 Asylbewerber zuzulassen.

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